Die alte Welt Dyanserîn
Die Luft war staubig und sehr trocken. Die von den Jahrhunderten gezeichneten Steinwände waren von allerlei Nachtschattengewächsen, die wenig Licht bedurften, überwuchert. Der Boden knirschte unter jeder ihrer Schritte, die den Staub aufwirbelten. Sie musste heftig husten, setze ihren Weg dennoch unbeirrt fort. Sie war sich sicher, dass es hier etwas zu finden gab, denn dass hatten so alte, verlassene Gemäuer an sich. Klar, es könnten schon andere hier gewesen sein und die Schätze mitgenommen haben, aber irgendwie war sie sich sicher, dieses Mal endlich etwas von Wert zu finden. Doch jeder der Räume, den sie bisher durchsucht hatte, war leer gewesen. Im fahlen Lichtschein, der durch alle möglichen Ritzen und Spalten in die letzte Halle drang, blieb sie vor einem scheinbar leeren Altar stehen. Sie kniete sich herab, und ihre langen, feuerroten Haare, fielen ihr ins Gesicht. Sie suchte alles nach irgendwelchen versteckten Schaltern und Mechanismen ab, doch sie fand nichts. Enttäuscht richtete sie sich auf und lehnte sich sauer an den Altar, ihre Gesicht mit den grünen Augen zu einem Schmollen verzogen.
Plötzlich bewegte sich der Altar zurück und Arlea kippte nach hinten über den Altar und purzelte auf irgendetwas, dass wie ein magischer Zirkel, der bis eben unter dem Staub versteckt gewesen war, aussah. Sie versuchte sich aufzurichten, konnte sich aber auf einmal nicht mehr bewegen, genauer gesagt, ihre Handgelenke wurden von etwas am Boden gehalten. Hustend drehte sie ihren Kopf, um ihr rechtes Handgelenk zu sehen, das nun von einen leuchtenden Armreif, auf dem viele Verzierungen zu sehen waren, geschmückt war. Hastig blickte sie auf die andere Seite, die ebenfalls solch einen Armreif trug. Es gab keine Fesseln, nichts. Nur diese Armreifen, die ihre Hände wie Magneten auf Metall fesselten, waren zu sehen. Fluchend zappelte sie wild herum, als diese noch einmal aufleuchteten und dann dunkel wurden.. So plötzlich, wie sie an den Boden gefesselt worden war, war sie nun frei. Noch immer erschrocken sprang sie auf und hastete von dem magischen Zirkel, der noch einmal kurz aufleuchtete, aber dann verblasste, fort. Keuchend starrte sie auf die Armreife, die nun unscheinbar wirkend an ihren Handgelenken ruhten. Sie wollte die verteufelten Dinger ausziehen, doch es klappte nicht. Als Arlea auch noch komische Geräusche aus den Wänden dringen hörte, ergriff die Panik sie völlig. Sie kreischte auf und rannte so schnell sie konnte durch die Gänge zum Ausgang der Ruinen. Als sie das helle Licht, dass zum Eingang hereinleuchtete, nahen sah, fühlte sie sich erleichtert. Das Gefühl wurde allerdings apprupt verändernt, als sie spürte, wie sie am Ausgang auf irgend etwas hartes prallte.
"So hier in der Gegend sollen also die alten Ruinen sein, in denen sich ein alter Asmodeustempel befinden soll?" murmelte Valerius vor sich hin, während er durch die Natur streifte und einige Punkte mit seiner Karte verglich, ob er auch wirklich auf dem richtigen Weg war. Nachdem er sich versichert hatte und noch ein kleines Päuschen eingelegt hatte, vergewisserte er sich, dass sein Zweihänder auch in Ordnung war, er würde ihn sicherlich brauchen, wenn die Gerüchte der Wahrheit entsprachen, dass in den Überresten des Tempels noch ein aktiver Paktkreis zu finden sein sollte. "Es wird wirklich Zeit, dass mich mal langsam die Eingebung trifft, dass ich die Runen auf meiner Klinge endlich verstehe und den Zauber auch selbst sprechen kann. Dieses Ding ist verdammt schwer auf Dauer. Genug Zeit vertrödelt!" spornte er sich selbst an und begann nach einem Hinweis auf die Ruinen zu suchen, bis er den Eingang fand. "Das sieht doch vielversprechend aus!" Just hatte er sich etwas Licht gezaubert und wollte gerade hinein, als etwas gegen ihn prallte. Zuerst dachte er habe jetzt schon eine alte Falle ausgelöst, doch dann merkte er, dass es ein Mädel war. "Hey, pass doch auf wo du hinrennst!" meckerte er, erhob sich und klopfte sich den Staub von den Klamotten.
Arlea purzelte wieder in den Gang zurück und landete benommen auf ihrem Hintern. Sie schüttelte ihren Kopf und starrte verlegen nach vorne und versuchte zu erkennen, was da ihren Weg versperrt hatte. Es war irgend so ein meckernder Kerl, der sich nun den Staub von der Kleidung klopfte. „Na du kommst mir ja gerade recht, was stehst du auch mitten im Weg?“ beschwerte Arlea sich nun ihrerseits und quetschte sich einfach an ihm vorbei nach draussen. Sie wollte so weit weg wie es ging, da hatte sie keine Lust, mit irgendeinem Kerl über so einen Kram zu diskutieren.„Viel Spass da drinnen!“ wünschte sie ihm noch und stapfte Richtung Wald davon.
"Hey warte Mal!" rief Valerius, dem Mädel hinterher. "Was hast du denn da drin gefunden?" Nachdem sie nicht reagierte, stapfte er ihr hinterher. Wenn sie da drin gewesen war, konnte sie ihm sagen, was es dort gab und ob die Gerüchte stimmten. Er könnte sich so einen Haufen Zeit sparen.
Grummelig stapfte Flint durch den Wald und sammelte hie und da einen trockenen Ast vom Boden auf. Er hasste solche Sachen. Was nutzte ihm schon die Meisterschaft im Holz sammeln, wenn er doch Ritter werden sollte. Viel lieber würde er kämpfen, den Lanzengang üben und Feinden das fürchten lehren. Wild schwang er einen Ast gegen den imaginären Feind, als er plötzlich über etwas stolperte und der Länge nach ins Unterholz fiel. Fluchend rappelte er sich wieder auf und zupfte sich einige Brombeerdornen aus den Händen. Er besah sich die Stelle an der er gestolpert war und fand zu seinem Erstaunen einen kunstvoll bearbeiteten Stein, der mit uralten Runen verziert war. Neugierig nahm er den Stein und betrachtete ihn von allen Seiten. Plötzlich hörte er Schritte nahen und steckte den Stein schnell in seine Tasche. Flint spähte hinter einem Busch hervor und sah ein Mädchen in den Wald stapfen. Forsch trat Flint hinter dem Busch hervor und warf sich theatralisch in Positur. "Seid mir gegrüßt werte Maid! Bedürft ihr des Schutzes einer starken Hand auf eurem Wege, so würde ich euch gerne mein Geleit antragen!" Flint verbeugte sich wie er es bei den höfischen Rittern gesehen hatte, wobei es ihm eindeutig noch an Übung und Eleganz fehlte.
Arlea ignorierte den Fremden und stapfte weiter zwischen den ersten Bäumen hindurch, als plötzlich eine Art Knappe aus den Büschen hervorkam und sich etwas ungeschickt verbeugte. 'Wo kommt der den jetzt schon wieder her?' fragte sie sich und beschloss ihn einfach zu ignorieren, da sie sich schon über den anderen geärgert hatte und eigentlich nur weg wollte. „Danke, danke, ich reise allein!“ murmelte sie im Vorbeigehen und stapfte tiefer in den Wald. Die Luft wurde kühler und frischer und sie genoß den angenehmen Schatten der Bäume und das Zwitschern der Vögel. Erst jetzt wurden ihr wieder die seltsamen Armreifen bewußt und sie blieb einen Moment unter einer alten Eiche stehen und hob die Arme, um diese zu begutachten. Wie befürchtet konnte Arlea sie immer noch nicht abstreifen. Wütend klopfte sie mit den Fäusten auf den Stamm der Eiche.
Valerius blieb bei dem Neuankömmling stehen, es hatte wohl nicht wirklich einen Zweck das Mädchen weiterzuverfolgen. "Grüße mein junger Freund! Valerius mein Name, ihr wisst nicht zufällig etwas über die Ruinen, die es hier in dem Gebiet geben soll?"
Flint war etwas beleidigt, als das Mädchen einfach vorbeirauschte, hatte er doch alles an Galanterie zusammengerafft, was er bisher so aufgeschnappt hatte. Als ihn plötzlich jemand ansprach zuckte er zusammen. Er hatte sich so auf das Mädchen konzentriert, dass er den anderen Mann erst jetzt bemerkte. Flint wollte gerade zu sprechen anheben, als eine weitere, etwas genervte Stimme ertönte, die ihn noch mehr zusammenzucken ließ. Schließlich erinnerte sie ihn daran, dass er eigentlich eine Aufgabe zu erfüllen hatte. "Der junge Freund wird selber bald wie eine Ruine aussehen, wenn er nicht eiligst etwas Holz für unser Lagerfeuer sammelt!" Einige Meter entfernt stand eine junge Frau neben einem großen Baum, die Hände in die Hüften gestemmt. Sie trug einen grünen Wappenrock mit einem goldenen Löwen und war mit einem kräftigen Schwert gegürtet. "Wenn ihr das Mahl mit uns teilen wollt, so seid ihr gerne eingeladen mein Herr. Nur fürchte ich, dass wir den Hasen roh verspeisen müssen, wenn mein fauler Knappe nicht in der Lage ist genügend Holz zu sammeln." Der Seitenblick zu ihm veranlasste Flint hurtig das bereits gesammelte Holz zusammenzuraffen und noch ein paar Äste drauf zu legen.
Er stand auf einer Anhöhe und hatte die Arme auf der Brust verschrenkt. Sein wirres, schwarzes Haar wurde duch den Wind weiter verwuschelt, doch dies schien ihm nichts auszumachen. Er trug einen weiten, rotbraunen Umhang und dunkle Kleidung darunter. Man konnte allerdings nicht erkennen, ob er bewaffnet war. Er wirkte zwar finster, aber nicht besonders böse, eher gelassen und nachdenklich. Er hob seine linke Faust, in der er einen rundlichen Gegenstand hielt und öffnete die Hand. Es war eine runde, etwas dickere Scheibe, in deren Mitte ein etwas gewölbter Orb eingelassen war. Er gab ein schwaches, leicht rötliches Leuchten von sich ab, dass in Richtung Wald etwas stärker wurde. Es schien ihm den Weg zu etwas zu weisen und während er seine Hand wieder zurückzug, setze er sich in Richtung des Waldes in Bewegung. Es dauerte nicht lang, dann hatte er auch schon die Waldgrenze erreicht. Er blieb einen Moment stehen, um das Drachenauge noch einmal zu testen. Es leuchtete nun etwas stärker und wies ihm erneut die richtige Richtung. Er konnte ind er Nähe drei Personen ausmachen, doch unter diesen schien nicht sein gesuchtes Ziel zu sein. Er ging einige Meter an ihnen vorbei tiefer in den Wald, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen.
Arlea hatte sich inzwischen am Stamm der Eiche hinabgelassen und saß nun mit den Kopf in den Armen liegend davor. Sie hatte es aufgegeben, die Armreifen abzubekommen und grummelte schlecht gelaunt vor sich hin, als sie einige Schritte hören konnte. 'Bestimmt ist das diese Knappe oder dieser andere Typ...' dachte sie bei sich und hob den Kopf daher nicht. Sie wollte mit niemanden reden. Die Schritte, die zuvor auf dem Waldweg zu hören gewesen waren, endeten aprupt ganz in ihrer Nähe. Als einen Moment nichts passierte hob sie den Kopf nun doch. Ein fremder Mann stand vor ihr und musterte erst einen leuchtenden Gegenstand, dann sie. Er schien etwas zu murmeln und hielt das Ding Arlea unter die Nase, woraufhin es sehr stark leuchtete. Er zog den Gegenstand zurück und verstaute ihn irgendwo unter dem Umhang. Irritiert blickte Arlea zu ihm auf, als er sie an der Kleidung packte und hochzog. "Du kommst mit mir." sagte er kurz angebunden. Sein Tonfall lies keinen Widerspruch zu, dennoch rührte Arlea nicht. "Ich gehe nirgends mit!" antworte sie trotzig und verschrenkte ihre Arme, während der Mann sie immer noch festhielt. "Dann trage ich dich eben..." erwiederte er, nahm seine zweite Hand zu hilfe und bevor Arlea auf irgend eine Weise reagieren konnte, warf er sie über seine linke Schulter und marschierte wieder in die Richtung, aus der er gekommen war. "Verdammt, was soll das, lass mich runter, du grober Kerl!" Lautstark beschwerte sie sich zappelnd, doch der Griff des Mannes war sehr stark. Als das nichts half, begann sie laut zu schreien, in der Hoffnung, dass die anderen sie nicht schon vergessen hatten.
"Dieser Wald ist doch tatsächlich bewohnter als man annehmen sollte!" merkte Valerius an, mehr für sich selbst, als für die anderen beiden. "Mylady, ich nehme eure Einladung dankend an, es wird wohl eh nicht viel ausmachen ob ich heute oder morgen in die Ruinen gehe. Was den rohen Zustand unseres Mahls betrifft, so kann ich zur Not auch etwas Abhilfe schaffen, jedoch wird dann etwas weniger nur noch essbar sein." Er wollte gerade der Dame andeuten, dass er ihr und ihrem jungen Freund und Diener zu deren Lager folgen wollte, als er die Schreie vernahm. "Wenn mich mein Gehör nicht belügt, befürchte ich, dass das Abendmahl wohl noch etwas warten muss, denn die junge ungestüme Dame, scheint mir in Bedrängnis."
'Boah, was rede ich da nur für einen Stuss zusammen, meine Schwester und die anderen Tempelfritzen müssen mich wohl schon angesteckt haben!' dachte Valerius für sich und machte sich unachtens der beiden anderen auf in die Richtung aus welcher der Schrei kam. Auf dem Weg sprach er noch: "Est Tarank Nes Protess!" und um ihn herum flackerte es kurz.Danja hatte aufgehorcht, als die Schreie ertönten und sie nahm den Schritt des Fremden auf, als dieser losging. Flint ließ sofort das gesammelte Holz fallen und lief den beiden hinterher. Danja zögerte kurz, als sie das Flimmern um den Mann bemerkte, aber nachdem die Schreie des Mädchens zeigten, dass es wichtigeres zu tun gab, als sich darüber Sorgen zu machen. Ein kaum hörbares singen des Stahls erklang, als sie ihr Schwert zog, bereit es mit jedem aufzunehmen, der sich hier an einem wehrlosen Opfer vergriff. Schnell kamen sie den Rufen näher und auf einer kleinen Lichtung stellten sie den Mann, der ein junges Mädchen über der Schulter trug. Danja machte sich so groß sie konnte und rief den Mann an: "Lasst ab von dem Mädchen und erklärt euch, oder mein Stahl wird euch beibringen, wie man sich Damen gegenüber benimmt!"
Der Mann blieb unbeindruckt vor ihnen stehen. Arlea wand sich meckernd, um zu sehen, was sich da abspielte. Der feste Griff des Mannes hielt sie immer noch eisern fest. Der Mann musterte die Truppe und vor allem die Frau, die sich lautstark zu Wort gemeldet hatte, eindringlich. "Geht beiseite, ich erfülle nur die mir zugeteilte Aufgabe. Das Mädchen hier trägt Drachenblut in sich, und solche Wesen sind, wie Ihr wissen solltet, eine Gefahr für das Volk." Er machte eine Pause, um seine Worte wirken zu lassen. Arlea hörte mit dem Zappeln auf und starrte verwirrt auf den Boden. Drachenblut? Wovon zu Hölle sprach der Kerl? "Hey, ich weiß ja nicht, wie sie darauf kommen, aber ich hab nix mit Dachen zu tun, ich kann ja nicht mal zaubern, also lass mich jetzt endlich runter!" quetschte sie irritiert hervor. Der Mann, der sie gefangen hielt, beachtete sie gar nicht. Er hatte seinen Blick immer noch auf die Leute vor sich gerichtet. "Wenn Ihr nun beiseie treten würdet, ich habe noch eine lange Reise vor mir." erklärte er und setze sich in Bewegung.
"Tut mir leid, Kumpel, aber das kannst du knicken. Zudem sind Drachenblutlinien auch nicht gefährlicher als andere Blutlinien. Okay, andere sind dämonischer oder heiliger, aber im Grunde genommen kommt es darauf an, was man damit anfängt. Aber zurück zum Thema. Drachenblut hin oder her, wenn ich den Gesetzeswälzer richtig im Kopf hab, dann ist das was du tust immer noch ne Entführung und da hab ich leider was gegen Kumpel. Also setz das Mädel ab, und verpiss dich! Bevor es etwas zu heiß für dich werden könnte!" Valerius sagte dies locker an einen Baum gelehnt, den Zweihänder weiterhin in der Scheide steckend auf seinem Rücken. Was die anderen jedoch nicht mitbekommen hatten, war dass er sich schon so weit vorbereitet hatte, dass er je nach Reaktion des Rüpels einen Zauber loslassen konnte, der einen vernichtenden Hitzestrahl auf ihn loslassen würde.
Danja war sich gerade nicht ganz schlüssig worüber sie verwirrter sein sollte, über die seltsamen Worte des Entführers, oder über die noch seltsameren Worte des anderen Mannes. Mehr unbewusst rückte sie etwas von ihm ab. "Verzeiht, aber wovon faselt ihr da gerade? Mir sieht dieses Mädchen nicht gerade nach einem Drachen aus. Setzt sie ab, erklärt woher ihr kommt und was eure Queste ist!" Danja hatte sich wieder etwas gefasst und trat zwei Schritte auf den Mann zu.
Der Mann blieb stehen und blickte die beiden Wortführer an. "Eigentlich sehe ich keinen Grund, es Ihnen zu erklären. Jeder weiß, wie stark die Magie der Drachen ist und bisher sind noch fast alle Abkömmlinge dem Bösen erlegen. Sie bringen andere in Gefahr, wollt Ihr das?" Allerdings verschwieg er, weshalb sie dem Bösen erlagen. Das Ziel der Organisation war es, so viele Drachenblüter wie möglich zu finden, sie zu trainieren und in ihre Dienste zu stellen. Und diese waren nicht immer im Sinne des Volkes. Er zog Arlea über die Schulter nach vorne, um sie als Schild zu benutzen.
Danja grinste schief, denn jetzt war sie sich ihrer Sache wieder sicherer. "Ihr sprecht davon andere Leute vor Unheil zu bewahren, doch im selben Atenzug bereitet ihr euch auf den Kampf vor. Und das auf eine mehr als unehrenhafte Weise! Niemand, dem das Wohlergehen anderer wichtiger ist als das eigene würde ein wehrloses Mädchen zu seinem eigenen Schutze missbrauchen. Also lasst das Mädchen frei und verschwindet... oder stellt euch zum Kampf, ganz wie ihr wollt." Noch während sie sprach begann Danja ihr Gegenüber langsam zu umkreisen. Sie hoffte der Mann würde doch noch von dem Mädchen ablassen, denn allzu leicht könnte sie bei einem Kampf verletzt werden.
Dies war natürlich nicht die erwartete Reaktion. Natürlich war Valerius kein übler Schütze, aber trotzdem war das Risiko zu groß, das Mädchen zu treffen. Also musste etwas anderes her. Es blieb also nur eines übrig, in der Hoffnung, es ohne Blut vergießen zu beenden. Er stellte sich dem Kerl aktiv in den Weg und ohne Worte zu sagen, wuchsen ihm Flügel aus dem Rücken. 'Hoffentlich ist die Kriegerin nicht so verblüfft, dass sie das Mädchen vergisst, falls der Kerl überrascht ist!'
Der Mann blickte überrascht auf. Er hatte nicht damit gerechnet, so jemanden vor sich zu haben. Er überlegte einen kurzen Moment und lies Arlea los. "Wie Ihr wollt. Aber andere werden kommen." Er drehte sich einfach um und schritt von dannen. Arlea plumpste vor der Ritterin zu Boden und blickte die anderen verdattert an. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass sie Drachenblut haben sollte. Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Und warum war dieser Kerl jetzt einfach gegangen? Er wirkte mächtig genug, um es mit den anderen eine Weile aufzunehmen, dennoch hatte er es nicht versucht. Er war einfach gegangen, immer noch selbstsicher wirkend.
Danja sprang flink zwischen den seltsamen Fremden und das Mädchen, um sie vor ihm abzuschirmen. Ihr Herz schlug bis zum Hals, wer waren all diese Leute? Sie war es nicht gewöhnt, dass Leuten in ihrer Nähe plötzlich Flügel aus dem Rücken wuchsen. Flint schien es ähnlich zu gehen, denn er starrte völlig entgeistert auf den Rücken ihres neuen Begleiters. Als der andere Mann zwischen den Bäumen verschwunden war löste sich ihre Anspannung etwas. Da sie sich ihrer selbst noch nicht ganz sicher war klang ihre Stimme etwas rauer als sonst: "Wir gehen zu unserem Lager. Ich glaube wir haben so einiges zu besprechen!" Ohne eine Antwort abzuwarten nahm sie das Mädchen am Arm und zog sie hinter sich her zu ihrem Lagerplatz auf einer kleinen Lichtung ganz in der Nähe. Zwischen den Bäumen war eine Zeltplane gegen Sonne und Regen gespannt, zwei Pferde und ein Packesel taten sich am Gras der Lichtung gütlich und ein leckerer Duft stieg aus einem Topf auf, der über einem kleinen Feuer hing. Flint deutete erstaunt auf das Feuer. "Aber... das Feuerholz..." Danja musste fast grinsen, als sie in übertrieben belehrendem Ton sprach: "Glaubst du ich riskiere es, wegen deiner Faulheit einen leeren Magen zu haben? Das heisst allerdings nicht, dass wir nicht noch mehr Feuerholz brauchen werden! Also spute dich und sammel weiter!" Danja schubste Flint wieder in Richtung seines gesammelten Holzes und drückte das Mädchen neben dem Lagerfeuer zu Boden. Dann setzte sie sich selber und schaute sich nach dem Mann mit den Flügeln um.
So schnell die Flügel gewachsen waren, so schnell fielen die Federn auch wieder aus. Er brauchte sie ja nicht mehr. Sein Plan hatte erfolg gehabt, das allein zählte erstmal. Trotzdem machte er sich Gedanken über den Kerl und darüber was er gesagt hatte. Leider viel ihm nicht wirklich etwas dazu ein. Wenn die Kleine wirklich Drachenblut in ihrem Stammbaum hatte, dann hätten sich normalerweise schon die ersten Anzeichen bemerkbar machen müssen. Er selbst hatte von seinem Erbe in ihrem Alter ungefähr erfahren zusammen mit den magischen Kräften. Er setzte sich den beiden Damen gegenüber und legte seinen Zweihänder und ein paar Taschen ab, danach zog er seine Jacke aus leichtem Leder und sein Hemd aus und seufzte kurz über die beiden Löcher in den Kleidungsstücken. "Rep saris neb turos!" sagte er und Hemd und Jacke waren wie neu und er zog sie wieder an. "Wie ich mich schon eurem jungen Freund vorstellte, ich heiße Valerius und bin Forscher arkaner Dinge."
Arlea war wie betäubt, als sie von der Frau zum Lagerfeuer gebraucht und zu Boden gedrückt wurde. Tausend Gedanken schwirrten ihr im Kopf herum, während sie abwesend in die Flammen starrte. Sie war zwar ein Waisenkind, aber ihre Eltern hatte nichts mit Drachen am Hut gehabt. Sie waren keine Magier oder Krieger gewesen, sondern einfache Handwerker. Zumindest hatte man ihr das erzählt und wenn sie sich ihre Kindheit in Errinnerung rief, stimmten diese Überein. Arlea seuftze. Sie war nichts besonderes, sie konnte nichts besonderes. Sie zog mit kaum mehr als sie am leine trug, durch die Gegend und stöberte in verlassenden Orten nach Dingen von Wert. Sie schlug sich damit mehr schlecht als recht durch, aber was sollte sie denn schon tun. So normal sie auch war, so wenig wollte sie etwas normales tun. Schneidern und Handwerkern lag ihr nicht, sie konnte nicht mit Pflanzen oder Tieren umgehen. Sie hatte immer von Abenteuern geträumt, aber sie konnte auch nicth kämpfen und auch die Magie war ihr bisher verwehrt geblieben, denn sie wirkte so unglaublich kompliziert auf sie. Und das alles machte das Auftreten des Mannes um so schokierender. Einen Moment lang glaubte sie, dass die Armreifen daran Schuld waren, dass er glaubte, dass sie Drachenblut in sich hatte. Er hatte ja so einen Gegenstand bei sich gehabt, vielleicht reagierte dieser auf die Armreifen, die ihr nicht gehörten.
Arlea schaute auf, als sie den Fremden Helfer vor sich Magie wirken sah. Etwas neidisch schaute sie ihm zu, sagte aber nichts. Irgendwie war ihr im Moment so gar nicht nach reden. Doch als er sich vorstellte, wollte sie nun auch nicht unhöflich sein, vor allem, nachdem ihr so schnell geholfen worden war. "Ich bin Arlea Kiradin aus Darakan. Vielen Dank das ihr alle mir geholfen habt..." sagte sie mit leiser Stimme. "Ich habe wirklich nix mit Drachen zu tun, ich bin doch nichts besonderes..." murmelte sie noch leiser. Sie senkte ihren Blick, um wieder in das Feuer zu starren.
Die Sonne senkte sich merklich, was das Ende des Spätnachmittags unweigerlich ankündigte. Der Mann hatte sich zurück zu seinem Pferd in der Nähe des Tempels begeben und band es von dem Baum, ab dem er es gesichert hatte, los. Er warf einen weiteren Blick auf den Gegenstand, mit dem er das Mädchen gefunden hatte. Es gab immer noch ein schwaches Leuchten von sich. Er hatte eigentlich irgendeine Art von Gegenwehr erwartet. Das Mädchen war absolut hilflos gewesen, wenn sie wirklich so schwach war, dann nützte sie ihm ohnehin nicht. Irgendetwas stimmte mit ihr Zweifelsohne nicht, aber er konnte nicht sagen, was es war. Die Drachenträne irrte nie, also was war hier falsch? Er blickte zum Tempel und dachte nach. Kopfschüttelnd verwarf der die Idee. Selbst wenn sie irgendetwas im Tempel aktiviert hätte, es war ein Drakar an Fareyth Tempel gewesen, der dazu ausgelegt war, echte Drachen und Halbdrachen zu fangen. Auf Menschen mit Drachenblut reagierte er normalerweise nicht und das Mädchen hatte keinerlei Kennzeichen in ihrer Aura gehabt. Ihre Aura war menschlich und kaum magisch gewesen. Sollte er sich dieses Mal so geirrt haben? Er schüttelte den Kopf, denn es hatte keinen Sinn, sich weiterhin Gedanken darüber zu machen, denn er hatte wichtigere Aufgaben zu verfolgen. So stieg er auf und Ritt in die Richtung der Berge, wo sich die Stadt Karlesh befand. Dort konnte er mittels Transportportal weiter reisen.
Es war zwar nicht ganz einfach, aber Valerius hatte es verstanden was die Kleine gesagt hatte und er versuchte es ihr zu erklären ohne ihr dabei Angst zu machen, was nicht unbedingt einfach war.
"Das haben wir gern getan und ich entschuldige mich für meine etwas harschen Worte bei unserer ersten Begegnung, aber zurück zu der Aussage des Rüpels. Du magst es vielleicht nicht wissen, aber trotzdem könnte er recht haben. Blut vererbt sich weiter, manchmal ist es schwächer, manchmal stärker und manchmal überspringt es auch eine Generation oder mehrere. Es könnte durchaus sein, dass irgendwo in der Blutlinie deiner Familie jemand mal mit einem Drachen zusammen war und aus dieser Beziehung entstand dann ein Kind, welches über die Gaben seiner Mutter/seines Vaters verfügte und das Kind hatte dann wieder ein Kind und so weiter und so weiter, bis wir irgendwann bei dir ankommen. Die besonderen Gaben des Blutes müssen nicht unbedingt zum Vorschein kommen es kann auch einfach schlafen und dich ignorieren um vielleicht in deinem Sohn oder deiner Tochter irgendwann zu erwachen oder auch erst in deinen Enkelkindern. In meiner Familie bin ich seit glaub ich 200 oder 300 Jahren der erste, bei dem sich die Verbindung meines Urahns mit einer Abgesandten Torags offenbart. Am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig, aber das gibt sich, nur wenn das Blut stärker wird, muss eventuell ein paar neue Dinge lernen, wie ich das Fliegen zum Beispiel und das ist gar nicht so leicht ohne Lehrer. Und was das besondere angeht. Du magst dich zwar nicht für was besonderes halten, aber da draußen gibt es immer jemanden der dich dafür hält und grundsätzlich sind das Mal die eigenen Eltern. Jetzt hab ich mir aber den Mund genug fusslig geredet. So wie ich rieche ist das Essen auch schon so gut wie fertig und zu einem guten Hasen gehört auch ein guter Roter!" Mit diesen Worten zog Valerius einen seiner Beutel zu sich und holte eine Flasche Rotwein hervor.Grübelnd lauschte sie den Worten des Mannes. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie alles richtig verstanden hatte, fragte aber dann nicht weiter, da er auch schon vom Essen sprach und eine Flasche aus der Tasche gezogen hatte. Arlea spürte nun ebenfalls, dass ihr Magen grummelte und war froh, dass sie dieses Mal wirklich etwas feines bekam, denn das war eine Seltenheit. Hungrig blickte sie zu den anderen.
Danja hatte aufmerksam den Worten des Mannes, der sich Valerius nannte gelauscht. Hätte sie es nicht selbst gesehen, dann würde sie es nie glauben, dass sie hier gerade Hasenschmortopf für zwei Fabelwesen zubereitete. Ganz wohl war ihr nicht bei der Sache, aber von ihrem alten Lehrmeister Chutgar hatte sie auf den Weg bekommen, die Leute nach ihren Taten zu beurteilen, nicht nach irgendwelchen Geschichten. In ihrer Heimat gab es auch viele Geschichten über Feen, Zauberer und allerlei andere Fabelwesen, aber es gab nur wenige Menschen, die Magie beherrschten, oder solche Wesen zu Gesicht bekamen. Hier war das wohl anders und sie fand es war eine gute Gelegenheit sich daran zu gewöhnen. Flint war mittlerweile wieder mit einem Bündel Holz zurückgekommen und schnupperte nach dem köstlichen Duft, der aus aus dem Topf aufstieg. Danja nahm eine Holzschale, gab großzügig vom Essen hinein und reichte es an das junge Mädchen.
"Hier, esst erstmal tüchtig! Der Wein ist auch mehr als willkommen. Erlaubt mir mich ebenfalls vorzustellen. Ich bin Lady Danja von Llynnion, Ritter an König Amankur's Hof zu Chandraloth. Das Pferd da drüben ist Flamdir, das andere ist Donwar. Wir haben noch einen Packesel und der Bursche da ist Flint, mein Knappe. Lasst es euch schmecken!" Danja verteilte noch Essen an Valerius und Flint, bevor sie sich selbst nahm und gemütlich hinsetzte.Valerius nahm dankend eine Schüssel, nach dem er mit einem lauten *BLOB* die Weinflasche geöffnet hatte. "Ich hab leider keine Gläser, von daher muss die Flasche reichen!" Damit nahm er auch schon einen guten Schluck und reichte sie weiter. "Wie ich schon unseren jungen Knappen hier vorhin gefragt hab. Ich bin auf der Suche nach ein paar Tempelruinen hier in der Umgebung. Angeblich soll es dort noch einen aktiven Paktkreis geben. Ihr wisst nicht zufällig etwas darüber?"
Danja schüttelte den Kopf, nachdem sie einen Schluck von dem Wein genossen hatte. "Zum einen sind wir fremd hier, zum anderen erst heute in diesem Wald angekommen. Irgendwelche Ruinen haben wir noch keine gesehen. Aber vielleicht weiß die Dame Arlea ja etwas." Aufmunternd schaute sie das Mädchen an und reichte ihr die Flasche hinüber.
Dankend nahm sie das Essen an und platzierte die Holzschale auf ihrem Schoß, während sie noch etwas wartete, damit es abkühlen konnte. Es dauerte auch nicht lange, als sie schon die Weinflasche in die Hand gedrückt bekam. Sie hatte mit Wein keine Erfahrungen, probierte dennoch einen Schluck, an dem sie sich auch noch veschluckte. Sie hustete ein paar Mal, bevor sie einen zweiten Schluckt wagte und dann die Flasche zurück reichte, während sie krampfhaft versuchte, das Gesicht nicht zu verziehen. So etwas wie Wein hatte sie sich ja nie leisten können, und nun war sie sich nicht einmal sicher, ob sie dass überhaupt wollte. Sie lauschte Danja und Valerius, die nun wieder auf den Tempel zu sprechen gekommen waren. "Naja, ..." begann sie verlegen. "Der Tempel oder besser gesagt diese Ruinen vor dem Wald war ziemlich staubig und leer. Ich habe keinen blassen Schimmer, was ein Paktkreis ist, aber etwas seltsames ist da drin schon..." erklärte sie. Sie überlegte, ob sie erzählen sollte, was ihr dort wiederfahren war und entschied sich letzenendes dafür. "Ich habe die Räume nach etwas wertvollem durchsucht und war erfolglos dabei. Im letzten war eine Art Altar. Ich hatte mich an diesen gelehnt, was ihn dazu veranlasst hat, irgendwie nach hinten zu kippen. Da war schon so etwas wie ein Kreis, dort sind auch diese Armreife erschienen." Sie hob ihre Arme und zeigte die verzierten Armreifen, die sich immer noch um ihre Handgelenke wanden. "Ich kann sie nicht abnehmen, sie bewegen sich kein Stück und ich habe keine Ahnung, warum. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ich hoffe, dass es geholfen hat." Sie senkte ihre Arme wieder hinab und nahm den Löffel, und begann, während sie eine nachdenkliche Miene aufgesetzt hatte, ihre Mahlzeit zu verzehren.
Danja schien von dem was Arlea da erzählte nicht sonderlich begeistert zu sein. Sie hatte nicht viel übrig für Magie und Übernatürliches und solch komische Sachen, wie sie gerade gehört hatte fielen da bestimmt darunter. "Vielleicht sollten wir uns das mal genauer anschauen, nachdem ich sowieso kein besonderes Ziel habe..." Leise murmelte Flint den Satz zu Ende "...ausser sich möglichst länger nicht am Hof des Königs blicken zu lassen." Danja warf ihm einen Blick zu, der Stein hätte schmelzen können, und das ganz ohne magische Kräfte.
"Dann sehe ich dies mal als beschlossene Sache!" meinte Valerius und genoss Essen und Wein. Kurz darauf legte sich die kleine Gruppe zur Ruhe.
Am nächsten Tag ließ er sich von Arlea zu den Ruinen führen und zu dem Raum mit dem Kreis. Zuerst untersuchte er den Kreis auf normale Weise, er fuhr mit den Fingern die Linien und die Zeichen nach, schritt die Größe ab und machte sich mit einem speziellen Stift Notizen in sein Notizbuch. Zum Abschluss murmelte er noch die Worte: "Est sah arcanus" Daraufhin nahmen seine Pupilen eine rötliche Färbung an und er sah den Raum und den Zirkel in einem anderen Spektrum, danach warf er noch einen Blick auf Arleas Armreifen. "Hm... dies ist jedenfalls nicht der Ort den ich suche, dies war nur ein einfacher Beschwörungskreis und hat schon lange seine Macht verloren. Die Armreifen jedoch strahlen vor Magie, jedoch kann ich nicht erkennen, um was für eine Magie es sich handelt, so etwas habe ich bis jetzt noch nicht gesehen." Dann lief er plötzlich in eine Ecke des Raumes wo ein Tisch stand. Er entdeckte aufgrund der Staubschicht, dass auf dem Tisch vor kurzem noch etwas gestanden hatte. "Hast du noch etwas anderes gestern mitgenommen oder jemand anderen außer mir hier gesehen?" fragte er Arlea, die jedoch verneinend den Kopf schüttelte. Etwas abseits vom Tisch fand Valerius einen Zettel, der nicht sehr alt war. Er falltete ihn auf und knüllte ihn auch so gleich wieder zusammen und grummelte etwas vor sich hin.
Rikard saß in einem gemütlichen Ecke einer kleinen Taverne in Karlesh und bestaunte erneut sein neues Fundstück, welches er seinem alten Rivalen Valerius mal wieder vor der Nase weg geschnappt hatte. Es war eine schöne kleine Kristallkugel von einer Drachenklaue gehalten. Leider hatte er das Problem, dass er nicht wusste was sie für Fähigkeiten hatte, und er würde es auch nicht herausbekommen, denn leider hatte er keine magischen Fähigkeiten. "Naja, wenigsten wirst du mir einige Goldmünzen einbringen, genauso wie die anderen Schätzlein in meiner Tasche." sagte er leise.Der Drachenblutjäger ritt gerade durch das Stadttor als seine Drachenträne ausschlug und ihn vor eine Taverne führte. Er stieg von seinem Pferd ab und band es an einer dafür vorgesehenen Halterung in der Nähe der Taverne an. Er kontrollierte das schwache Leuchten und war ein wenig irritiert, da es anders als sonst pulsierte. Er steckte sie unter seinen Umhang und trat in die Taverne ein. Das Licht war wie immer gedämpft und es waren nicht sehr viele Gäste anwesend. Aber das war für diese Uhrzeit nichts ungewöhnlich, Nachmittags ging die meisten Leute ihren Arbeiten nach. Das würde ihm die ganze Sache erleichtern. Er blickte auf die Drachenträne, welche ihn an den Tisch eines Mannes Mitte zwanzig führte. Er blieb vor diesem stehen und musterte ihn einen Moment. Die Drachenträne pulsierte weiterhin auf seltsame, aber nach wie vor schwache Weise und langsam kam ihm eine Vermutung, was das bedeuten könnte. "Guten Tag, darf ich mich zu Ihnen setzen?" fragte er und setzte sich ohne eine Antwort abzuwarten auf den Stuhl gegenüber.
Rikard musterte seinen plötzlichen Tischnachbarn und ließ die Kugel in seiner Tasche verschwinden. In Karlesh war Rikard nicht groß bekannt, deshalb war er misstrauisch gegenüber dem Fremden, mehr als sonst. Er war ihm viel zu zielstrebig auf ihn zu gekommen. "Kann ich ihnen irgendwie helfen?" fragte er den Fremden und setzte sich normal hin.
Der Drachenblutjäger lächelte fein und lehnte sich etwas nach vorne. "Habt ihr schon einmal von Menschen mit Drachenblut gehört? Entfernte Nachkommen vom stolzen Volk der Drachen. Sie besitzen besondere Fähigkeiten und ich bin auf der Suche nach ihnen. Ich habe Hilfsmittel, die mir den Weg weisen und so frage ich mich... wie kommt es, dass ihr im Besitz toten Drachenblutes seid?" Er verengte seine Augen zu Schlitzen und blickte den Mann vor sich scharf an. Er hatte sich erinnert, was das flackern bedeutete und war nun wütend. Totes Blut bedeute einen möglichen Kandidaten weniger und das machte ihn wütend.
Eines musste Rikard seinem gegenüber lassen, er konnte seinen Zorn gut verstecken, aber trotzdem wusste er, dass er da war und ganz ungefährlich wirkte er auch nicht. "Ja, ich habe schon von Menschen gehört, die von Drachen abstammen und von Halbdrachen und auch von Drachen selbst. Nur was du mit totem Drachenblut meinst, will mir nicht in den Sinn? Und wie ich den Besitz von etwas kommen soll, von dem ich noch nicht einmal weiß was es ist, will mir auch nicht einleuchten." Rikard machte eine kleine Pause und lehnte sich dann wieder etwas zurück. "Ich habe jedoch eine Ahnung, es bleibt also nur noch die Frage, wieviel springt für mich dabei heraus, euch die Informationen zu geben?"
Der Drachenblutjäger blickte sein Gegenüber unbeirrt an. "Totes Drachenblut wird oft von Magiern gekauft, in Flaschen verkorkt. Ich wiederhole mich ungern, wie kamt Ihr in den Besitz des Drachenblutes?" Er bewegte seinen Arm unter seinen Umhang und gab sich keine Mühe, zu verstecken, dass er die Hand an den Griff seines Schwertes legte. Seine andere Hand hob er leicht und drehte sie auf die Außenkante und lies vor ihr etwas schwach Aufleuchten. Es war eindeutig als Magie zu erkennen.
"Es wäre besser, wenn du nicht so ein großes Tara machen würdest! Die Taverne mag zwar nicht so gefüllt sein, trotzdem sorgst du für verdammt viel Aufmerksamkeit und ich denke wir beide wollen das doch vermeiden oder?" meinte Rikard gelassen. Er hasste solche Geschäftspartner, die sich von anderen Dingen als Logik leiten ließen. "Und damit du dich wenigstens etwas abreagierst, man muss nicht unbedingt jemanden umbringen um an dessen Blut zu kommen. Wenn du mehr wissen willst, kostet das etwas, in dieser Welt ist nichts umsonst. Und glaub ja nicht mich mit deinem Schwert oder deinem magischen Krimskrams beeindrucken zu können oder gar einzuschüchtern, das zieht bei mir nicht!"
Der Drachenblutjäger lächelte. "Ihr seid mutig, dass muss man Euch lassen." Er lies das Leuchten verschwinden und legte die Hand wieder flach auf den Tisch. "Das tote Drachenblut ist für mich ohnehin nicht von Wert. Einen Magier könnte es allerdings durchaus interessieren und eine solche Flasche ist denen einen sehr guten Preis wert. In der Stadt Hildarosh dürfte es solche Interessenten geben. Das war meine 'Bezahlung' und nun sagt mir, woher ihr es habt." erklärte er.
Der Drachenblutjäger nickte wortlos und verscheuchte die junge Frau, die gerade ansetzen wollte, eine Bestellung anzunehmen. Er stand auf. Mehr wollte ich nicht wissen. Es giebt ohnehin interessantere Dinge, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen." erklärte er und wendete sich ab. "Dieses seltsame Mädchen... irgendetwas ist mit ihr..." murmelte er leise im Gehen und verschwand aus der Taverne. Als er draußen war, band er sein Pferd los und führte es die Straße hinab und war kurz darauf aus dem Blickfeld der näheren Umgebung verschwunden.
"Mal schauen wie lange er braucht, bis er kommt!" redete Rikard mit sich selbst, nachdem der komische Fremde wieder gegangen war. Soviel der Fremde wohl auch über Drachen wusste, er wusste auch nicht alles. Drachenblut war vielseitig verwendbar und dies galt nicht nur für Magier, man musste es nur richtig verarbeiten lassen oder es einfach im reinen Zustand verwenden. Er blickte kurz zu dem kleinen Kasten in seiner Tasche und dachte an die Phiolen darin, eine davon war in der Lage das ganze Haus in Brand zu stecken, wenn man es an der richtigen Stelle ausleerte. "Also Val alter Kumpel, dann schwing mal deinen lahmen Arsch zu mir!" Rikard fing an zu lachen und einige Gäste schauten ihn verwirrt an.
Arlea stand müde neben Valerius. Sie hatte kaum geschlafen und war sehr müde. Die wirren Träume der letzen Nacht hingen ihr noch nach. Der Tisch, vor dem sie nun standen, war ihr bei ihrem letzen Besuch nicht aufgefallen. Sie wunderte sich, weshalb Valerius so vor sich hin grummelte. "Und was machen wir jetzt? Ich meine, mir diesem blöden Armreifen und überhaupt..." fragte sie und schaute den Mann an.
"Keine Ahnung, was wir jetzt tun sollen. Ich bin hier in der Gegend nicht groß gewesen. Ich weiß nur, dass auf dem Tisch zwei Gegenstände fehlen und ich weiß wer sie hat, aber nicht wo er ist! Was führte euch eigentlich in die Gegend, Milady?" fragte Valerius Danja.
Danja war ganz froh gewesen, dass an diesem seltsamen Ort nichts passiert war, waren ihr doch die magischen Fähigkeiten von Valerius unheimlich genug. Als er sie ansprach zuckte sie merklich zusammen. "Ich? Oh, nun ja, also... ich bin ja nun noch ein recht junger Ritter, da ist es wichtig, dass man in die Welt hinauszieht... andere Länder sieht... andere Völker kennenlernt... was man eben so auf Reisen macht... Sollten wir nicht nach Spuren suchen, damit wir die anderen Sachen wiederfinden?" Danja, die mittlerweile leuchtend rote Backen bekommen hatte, begann demonstrativ den Raum abzusuchen. Während sie gesprochen hatte war Flint's Grinsen immer breiter geworden. "Ihr solltet nicht vergessen zu erwähnen, dass euch der König persönlich auf diese Reise geschickt hat!" Danja warf Flint einen warnenden Blick zu, aber der ließ sicht diesmal nicht beirren. Er lehnte grinsend an der Wand und genoss es sichtlich, wie sich seine Herrin innerlich wand. "Er erhoffte sich ja, dass dann wieder etwas Ruhe einkehren würde. Ihr habt ja zusammen mit Sir Gauvain für reichlich Unruhe am Hof gesorgt!" Danja sah mittlerweile so aus, als könnte sie sich nicht entscheiden, ob sie im Boden versinken oder nicht doch besser Flint erwürgen wollte. "Ich glaube aber, der endgültige Grund dürfte dieser kleine Zwischenfall bei der Feier zu Sir Neventers Geburtstag gewesen sein. Sehr spät am Abend, als der König sich schon zurückgezogen hatte und die restlichen Gäste schon reichlich berauscht war stürzten plötzlich die Lady Danja und Sir Gauvain in die große Halle und riefen, dass im Burggraben ein großes Ungeheuer schwimmen würde. Daraufhin stürmte die ganze Gesellschaft aus dem Saal zur unteren Bastion, um das Ungeheuer zu sehen. Nur hatte irgendjemand am Ende der Treppe aus glitschigen Planken eine Rutschbahn gebaut, so dass praktisch der ganze Schwertzirkel mit Schwung direkt in den Burggraben rutschte. Natürlich waren sie nicht allzusehr erfreut so schnell wieder ernüchtert zu werden und suchten nach den Schuldigen. Die hatten sich aber mittlerweile schon gut versteckt. Es brachte den Gebadeten auch nichts, DASS SIE MICH AM GÜRTEL AN DER FAHNENSTANGE DES HÖCHSTEN TURMS HOCHZOGEN, denn ich wusste auch nicht, WO SICH MEINE HERRIN VERSTECKT HATTE! Naja, da so eine schändliche Tat natürlich nicht ungesühnt bleiben konnte, fand bald eine Art wilde Turnei statt, die damit endete, dass die halbe Ritterschaft des Hofes im Krankenbett lag. Danach hielt es der König wohl für weise den ein oder anderen auf Reisen zu schicken." Danja sah mittlerweile nur noch so aus als wollte sie im Boden versinken. Diese kleine Ratte kostete es weidlich aus, dass sie nichts dagegen tun konnte, wenn er einfach die Wahrheit erzählte. Dabei konnte sie ja eigentlich nicht wirklich etwas für die Sache mit der Fahnenstange. Hoffentlich hatten die anderen jetzt nicht komplett die Achtung vor ihr verloren...
Valerius sah, wie peinlich Danja, die Geschichte war, die ihr Knappe von sich gab. Es mochte zwar die Wahrheit sein, aber es geziemte sich nicht eine Dame in eine peinliche Situation zu bringen, soviel hatte er gelernt. "Mein junger Freund, du solltest dich bei deiner Herrin entschuldigen, es mag zwar die Wahrheit sein, die du gesprochen hast, aber es nicht ehrenhaft eine Dame in eine Situation zu bringen, die ihr peinlich ist. Als zukünftiger Ritter solltest du dir das merken, du könntest dir sonst etliche Feindinnen machen." Valerius dachte bei den letzten Worte eine alte Beziehung mit einer reichen Händlertochter, sie sah nicht schlecht aus, aber sie hatte einen miesen Charakter. Sie hatte ihm nicht verziehen, dass er sie eine etwas unpässliche Situation gebracht hatte, durch ein kleines Missgeschick. "Was die verschwundenen Gegenstände betrifft, vermutlich dürfte er sie in die nächste Stadt gebracht haben, sonst gibt es nicht wirklich einen Ort wo er sie zu Geld machen könnte", bezog sich Valerius nach seiner kurzen Predigt wieder auf das eigentliche Thema.Erleichtert sah Danja wieder auf. "Ich danke euch für euren Beistand, aber ich fürchte ein wenig Buße wird mir wohl nichts schaden. Wir haben es doch etwas übertrieben, wobei..." Danja fing sogar an etwas zu schmunzeln, als sie zurück dachte. "...allein dieser betrunken, ratlose Gesichtsausdruck von Sir Ealhred, als er die Planken hinabrutschte war die Sache schon wert. Ja, sowas habe ich tatsächlich gemacht und ich kann nicht leugnen, dass es sogar meine Idee war... und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es jederzeit wieder machen würde." Danja lachte erleichtert. "Ich bin froh, dass es euch nichts ausmacht. Es ist vielleicht wirklich nicht schlecht mit euch zu reisen, dann habe ich einmal etwas Abwechslung zu dem kleinen Quälgeist hier!" Flint zog einen übertriebenen Schmollmund und stemmte die Hände in die Hüften. "Dafür habe ich jetzt endlich Zuhörer für die vielen Geschichten eurer weiteren Heldentaten, wie damals als..." Danja legte den Arm um Valerius' Schulter und schob ihn Richtung Ausgang. "Vielleicht sollten wir besser gleich zu der Stadt aufbrechen, von der ihr gesprochen habt!"
Danjas Geschichte hatte Arlea ein wenig aufgeheitert und sie war wieder etwas fröhlicher. Sie stubste Flint in die Seite und folgte Valerius und Danja nach draußen.
Sie kamen wieder aus den Ruinen und gönnten sich erstmal eine kleine Mahlzeit und klopften sich den Staub vergangener Jahre ab. Mit Pferden würde der Weg in die Stadt leichter fallen, dachte sich Valerius. Danja hatte ja bereits ein Ross und Flint würde wohl der Esel zu stehen. "Arlea, sag mal kannst du reiten?" fragte er mit einem kleinem Lächeln auf den Lippen.
Arlea blickte zu Valerius und schaute ihn beinahe entsetzt an. "Reiten? Auf so einem Pferd? Ähhhh.... Nein kann ich nicht..." stotterte sie verlegen. Sie schüttelte ihren Kopf.
Danja grinste Arlea an. "Na, dann wird es aber Zeit es zu lernen. Aber keine Angst, Donwar ist ein gutmütiger, sonst würde er es nicht schon so lange mit Flint aushalten. Habt ihr irgendwo ein eigenes Pferd versteckt Herr Valerius, oder wollt ihr Arlea ein wenig Hilfestellung leisten?" Leichtfüssig schwang sich Danja auf ihr Pferd, während der Packesel gar nicht begeistert schien, dass er jetzt auch noch Flint tragen musste. Aufmunternd zeigte Danja auf Donwar, der geduldig wartete.
Arlea wirkte nicht gerade überzeugt. Schon beim Aufsteigen stand sie sich einer Hürde gegenüber und so kam es wie es kommen mußte, sie segelte gleich auf der anderen Seite wieder vom Pferd hinunter. Mit einem dumpfen Plumps landete sie auf ihrem Hintern. Jammernd rappelte sie sich diesen reibend auf und versuchte es noch einmal. Dieses Mal schaffte sie es, oben zu bleiben, besonders elegant wirkte es allerdings nicht. Sie war blass und klammerte sich krampfhaft an den Hals des Pferdes. Nach einigen Minuten schien sie sie sich beruhigt zu haben und halbwegs gerade darauf zu sitzen. Allerdings rührte sich das Pferd keinen Milimeter und es bedurfte Danjas Hilfe, vom Fleck zu kommen. Die folgende Zeit wirkte Arlea nicht besonders glücklich und schon bald tat ihr auch der Allerwerteste weh.
'Vom Pferderücken aus kämpfen? Das ist doch Wahnsinn! Mit meinem Zweihänder hack ich ja das arme Pferd in zwei und Zaubern ist auch nicht, dass kann man gleich knicken, da krieg ich ja nicht eine Geste hin!' dachte sich Valerius, während er auch aufsaß. Er war zwar kein guter Reiter, aber es reichte um eine annehmbare Figur zu machen. Auf dem Weg beschäftigte er sich immer noch damit, was Rikard wohl hatte mitgehen lassen. Was war so wertvoll, dass er es mitnehmen wollte und verdammt nochmal woher hatte er wieder gewusst, dass Valerius zu diesen Ruinen unterwegs gewesen war. "Wenn wir in der Stadt angekommen sind, wird es schwer meinen Freund zu finden. Er hat ein allerwelts Gesicht und ist auch noch gut darin in der Menge unterzutauchen. Wenn wir ihn finden, dann wollte er das und passt auf, er hat einige hinterhältige Tricks auf Lager", erklärte er während des Ritts.
Danja hatte sich einen Apfel aus der Satteltasche genommen, ihn geschält und war gerade dabei ihn in mundgerechte Stücke zu schneiden. Sie seufzte. "Danke für die Warnung, denn mit solchen Leuten habe ich meine Probleme. Mir ist ein ehrlicher Kampf wesentlich lieber als solche hinterhältigen Schliche, aber vielleicht kann ich ja noch etwas dabei lernen. Je besser man den Feind versteht, desto leichter kann man ihn besiegen." Mit einem Augenzwinkern schob sie sich ein Stück Apfel in den Mund.
Gegen Abend erreichten sie Karlesh und gelangten noch rechtzeitig hinein, bevor die Tore über Nacht geschlossen wurden. Sie waren alle recht erschöpft vom Reiten. Danja am wenigsten von allen, sie war es gewohnt mehrere Stunden auf einem Pferderücken zu verbringen, Arlea konnte kaum richtig gehen, so sehr schmerzte ihr Hinterteil. Val wünschte sich seine Schwester wäre hier, sie könnte ihr wenigstens etwas Erleichterung verschaffen. Flint war nicht nur erschöpft sondern auch reichlich genervt, denn der Esel hatte doch mehr gebockt und sich gegen seinen Reiter gewehrt als sie gedacht hatten. Deshalb suchten sie einfach das nächste Gasthaus auf, welches etwas besser aussah als eine billige Spelunke. Das Gasthaus zur silbernen Trommel war gut gefüllt und mit ach und krach hatten sie noch zwei Zimmer mit je zwei Betten bekommen können. Es wurde beschlossen, dass Flint und Valerius das eine und die beiden Mädels das andere Zimmer nahmen. Nach einem ordentlichen Nachtessen zogen sie sich auch gleich auf ihre Zimmer zurück und ließen sich aufs Bett fallen.
"Komm zu mir! Ich brauche dich! Komm meine Kleine, rette mich!" flüsterte eine Stimme, die nach einer alten Frau klang Arlea in ihrem Schlaf zu.
Es war ja klar, dass Valerius nicht aufgetaucht war, zumindest für Rikard. Sein Freund war noch nie der schnellste gewesen. Deswegen hatte er sich in seiner Taverne auch ein Zimmer genommen und sich irgendwann zu Bett begeben, nachdem er noch ein paar Leute beim Würfeln ausgenommen hatte. Es war ein gutes Zimmer, mit einem bequemen Bett und weiterem Luxus. Er war gerade erst eingeschlafen als ihn ein komisches Pochen weckte, es klang wie ein Herzschlag und als er langsam seine Augen öffnete, bemerkte er wie aus der Tasche mit der Kristallkugel ein schwaches Leuchten kam, welches jedoch erloschen war, als er die Tasche öffnete um nachzusehen, was genau los war. Mit dem Erlöschen des Leuchtens verstummte auch Arleas Traumstimme.Arlea war froh, als sie endlich in Karlesh waren. Sie hatte sich geschworen, dass sie nicht so schnell wieder in die Nähe eines Pferdes gehen und schon gar nicht darauf reiten würde. Der schmerzende Hintern hatte sich auch stark auf ihre Laune ausgewirkt und so brummte sie die meiste Zeit nur vor sich hin. Selbst Flint und den Esel hätte sie normalerweise lustig gefunden, doch daran hatte sie dieses Mal wirklich keine Freude finden können. Im Gasthaus war sie beinahe am Tisch eingeschlafen, was allerdings ein Fußtritt von Flint verhindern konnte. Sie machte sich eine gedankliche Notiz, sich bein ihm dafür bei passender Gelegenheit zu 'bedanken'.
Nach dem Essen schleppte sie sich müde in das Zimmer hoch. Danja mußte sie schon beinahe ins Zimmer schieben. Dort fiel sie angezogen wie sie war auf ihr Bett. Was auch immer Danja noch zu tun hatte, Arlea bemerkte nichts mehr davon, denn sie war beinahe Augenblicklich eingeschlafen. Irgendwann hörte Arlea eine seltsame Stimme in ihrem Kopf. Sie war sich nicht sicher, ob sie wach war oder einfach nur träumte. Sie glaubte an letzteres, dennoch versuchte sie die Worte zu verstehen. Es dauerte nicht lange, da waren sie auch schon wieder verschwunden und Arlea stand plötzlich im Flur des Gästebereichs. Unsicher, wie sie dorthin gekommen war, versuchte sie im Dunkeln wieder in das Zimmer zu finden und stolperte dabei ungeschickt über eine Teppichwelle, die wohl keiner bemerkt und daher nicht beseitigt hatte. Sie konnte einen Sturz verhindern, war aber dennoch auf ihren Knien gelandet. Sie zögerte einen Moment und lauschte, ob sie jemanden geweckt hatte, doch sie hörte nichts. Langsam rappelte sie sich wieder auf und versuchte ihren Weg ins Zimmer zurückzufinden.Rikard war sich sicher, dass es mit der Kristallkugel zu tun haben musste, sonst war in der Tasche nichts, was hätte Leuchten können. "Du bist mir wirklich ein interessantes Stück!" sagte er und wollte sie gerade zurück packen, als er auf dem Flur etwas hörte. Es klang als wäre jemand gestolpert und hingefallen. Er ging zur Tür und öffnete sie. Als er jedoch herausschaute, war weit und breit niemand auf dem Flur, daher schloss er seine Tür wieder und wandte sich wieder der Kugel zu, die er noch in der Hand hatte. Diesmal wollte er sie wirklich wegstecken und wurde doch auch diesmal abgelenkt, denn er war sich nicht sicher, aber es war als hätte er gerade darin zwei Augen gesehen, die ihn angeschaut hatten. 'Du wirst mich nicht aufhalten können!' hallte eine Stimme in seinem Kopf wider. "He, was is los?" fragte er in den leeren Raum. "Verdammt, Valerius was hast du mir nur wieder eingebrockt?" murmelte er verärgert und stopfte die Kugel jetzt einfach zurück in die Tasche und schob die Tasche unters Bett, sollte sie doch wieder das Leuchten anfangen, jetzt würde es ihn wenigstens nicht stören.
Die Kugel versuchte erneut ihre Kraft auszubreiten und erneut Arlea anzusprechen, aber mehr als ein schwaches Rauschen kam jedoch nicht mehr zu Stande. Was auch immer im inneren der Kugel schlummerte besaß noch nicht die Kraft mehr als einmal mit dem Träger oder der Trägerin in Kontakt zu treten. Sie musste genauso ruhen, wie die Sterblichen, die nun für ihr Schicksal verantwortlich waren.
Der Drachenblutjäger hatte es auch nicht mehr geschafft, durch das Reiseportal zu treten, dazu war einfach zu viel los gewesen. Hätte er bloß nicht Zeit, mit dem Strauchdieb oder was auch immer der Kerl gewesen ist, vertrödelt. So musste er nun auch noch eine Nacht hier verbringen. Als wären die beiden letzten Tage nicht schon schlimm genug gewesen, musste auch noch seine Nachtruhe gestört werden. Seine Drachenträne schlug erneut aus und es nervte ihn zum ersten Mal, denn er wollte erstmal seine Ruhe. Es half jedoch nichts. Also schaute er nach, was sie denn diesmal hatte. Zu seiner Überraschung verstand er jedoch nicht so recht, wohin ihn die Träne führen wollte oder was sie ihm zeigen wollte. Nachdem was sie von sich gab, sollte es hier in der Stadt plötzlich einen Drachen geben, einen echten lebenden Drachen! Dann plötzlich verstummte die Drachenträne wieder, als wäre nichts passiert. "Wenn ich zurück bin, sollen die mir eine neue geben, ich glaube, die geht langsam kaputt. Ein Drache hier, pah!" Mit diesen gegrummelten Worten drehte er sich wieder um und schlief weiter.Danja konnte lange nicht richtig einschlafen, die vielen neuen Eindrücke der letzten Tage beschäftigten sie sehr. Warum nur musste ausgerechnet sie in so eine seltsame Sache geraten? Eine einfache Räuberbande oder eine Invasion hätte es doch auch getan. Statt dessen ging es plötzlich um Drachen, Magier und lauter anderes seltsames Zeug. Langsam fiel Danja in einen unruhigen Schlaf. Als sie mal wieder aufwachte, sah sie im Licht der Stundenkerze, dass das andere Bett leer war. Flint hatte in der Nacht wohl mal wieder Hunger bekommen, dachte Danja, da fiel ihr ein, dass sie das Zimmer diesmal gar nicht mit Flint teilte. Mit einem Schlag war sie hellwach und schlüpfte aus dem Bett. Schnell entzündete sie die Laterne an der Kerze und nahm ihre treue Klinge. Eilends riss sie die Türe ihres Zimmers auf um auf den Gang zu laufen, da stiess sie beinahe mit Arlea zusammen, die sich gerade durch den Flur tastete. Danja zog sie ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich. "Bei allen Göttern, ihr habt mir ja einen ganz schönen Schrecken eingejagt! Ich dachte schon dieser seltsame Kerl wäre da gewesen, oder der andere, oder wer auch immer! Wo wart ihr denn, dass ihr im Dunkel durch die Gänge tappt?"
Arlea rieb sich verschlafen die Auge, als Danja mit der Laterne vor ihr erschien. Mit so verstrubbelten Haaren sah sie richtig witzig aus und Arlea mußte lächeln. "Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, wie ich in den Gang gekommen bin..." begann sie flüsternd.. "Ich habe komische Sachen geträumt. Ich hörte eine Stimme und als sie weg war, stand ich hier im Dunkeln. Tut mir leid..." meinte sie entschuldigend. Zusammen gingen sie in ihr Zimmer zurück. Dieses Mal schlüpfte Arlea auch aus der Oberkleidung und den Schuhen und lies sich ins Bett zurück plumpsen. Sie war recht schnell wieder eingeschlafen, während Danja etwas länger brauchte.
Bis zum Morgen hin passierte nichts besonderes mehr. Arlea war irgendwie recht früh wach und während Danja noch zu schlafen schien, wusch sie sich und zog sich wieder an. Ihr Magen knurrte und da sie sich daran erinnrte, dass die Übernachtung Frühstück inklusive war, öffnete sie die Zimmertüre und schlüpfte hindurch. Sie schloss sie leise und als sie sie wieder zugemacht und sich umgedreht hatte, stieß sie mal wieder mit jemanden zusammen. "Tschuldigung!" sagte sie schnell und wollte an der Person vorbei nach unten gehen, als sie für einen Moment von einem seltsamen Gefühl abgelenkt wurde und stehen blieb. Irritiert schüttelte sie den Kopf.
"Pass doch auf!" meinte der Angerempelte. Schien ein richtiger Morgenmuffel zu sein. Valerius schlief auch nicht wirklich lange, hatte er noch nie. Daher fand ihn Arlea schon unten in der Gaststube vor. "Guten Morgen!" sagte er. "Das Frühstück ist wirklich ausgezeichnet!" Es klang etwas verzerrt, denn er hatte vergessen, dass er gerade den Mund voll hatte und verschluckte sich dabei auch noch, dass er rasch einen Schluck Tee trinken musste um es runter zu spülen.
Danja reckte und streckte sich. Sie hatte nicht sehr gut geschlafen und wurde nur sehr langsam wach. Sie fuhr sich mit der Hand kurz durch das wirre Haar, in einem vergeblichen Versuch es etwas zu bändigen, dann warf sie sich ihren Wappenrock über und schlüpfte in ihre Stiefel. Mit den Pferdebürsten in der Hand schlurfte sie zum Zimmer der anderen und klopfte kurz. Nachdem niemand protestierte trat sie ein und fand das Bett von Valerius leer, während aus dem anderen der Haarschopf von Flint lugte. Leise trat sie an das Bett heran und beugte sich zu Flints Kopf hinunter. "GUTEN MORGEN!!! DIE SONNE LACHT UND DIE PFERDE MÜSSEN VERSORGT WERDEN!!!" Flint schoss kerzengerade in die Höhe und hielt sich schnaufend die Brust, während ihm Danja freundlich lächelnd eine der Pferdebürsten zuwarf. Danach schlurfte sie selbst in die Wirtsstube hinunter, gähnte den anderen ein "Guten Morgen" zu und ging nach draussen zu den Ställen. Zu ihrem Leidwesen musste sie feststellen, dass die Sonne überhaupt nicht lachte, denn es regnete leicht. Leise vor sich hin grummelnd stapfte sie über den Hof in die Ställe und kümmerte sich um ihr Pferd Flamdir. Flint hatte sich schnell angezogen und trottete missmutig nach unten. Er grüßte Arlea und Valerius kurz und blieb dann mit finsterer Miene in der Türe stehen. "Von wegen die Sonne lacht..." Er setzte sich eine Kappe auf und ging dann auch zu den Ställen, um sich um Donwar und den Esel zu kümmern.
Arlea schaufelte ein üppiges Frühstück in sich hinein, während sie Valerius angrinste. "Daf habe ich gerafe nof ferstanden." Sie kopierte seinen Sprachstil auf freche und dennoch irgendwie auf liebenswürdiger weise. Sie winkte Danja, als diese vorbei kam, zu. Kurz darauf kam Flint vorbei, doch der wirkte nicht gerade glücklich. Arlea zuckte mit den Schultern weiter. "Und was machen wir jetzt eigentlich? Du wolltest ja diesen komischen Typen finden, oder? Dabei fällt mir ein, letze Nacht ist etwas komisches passiert." plapperte sie fröhlich. "Ich hab im Traum eine komische Stimme gehört und als ich wach war, stand ich plötztlich im Gang. Wäre Danja nicht mit der Laterne gekommen, hätt ich das Zimmer nicht mehr gefunden." erklärte sie und gestikulierte auf witzige Art und Weise, wie sie im Dunkeln herumgetappst war.
Der Drachenblutjäger hatte sich zeitig an das Portal begeben. Er hatte seine Drachenblutträne mehrmals kontrolliert, aber bis auf das schwache Flackern hatte sich das seltsame Verhalten der letzen Nacht nicht wieder gezeigt. Zudem könnte sich ein Drache wohl kaum lange unentdeckt in einer Stadt aufhalten, zumal sich Drachen in den letzen Jahrhunderten fast nie gezeigt hatten und manche sogar munkelten, dass es keine mehr geben sollte. Reinblütige Drachen gab es in der Tat nur wenige, und selbst er hatte noch nie einen zu Gesicht bekommen. Es war, als hätten diese sich von dieser Welt abgewendet. Aber das wußten wohl nur die Drachen selbst. Angeblich gabe es viele im Osten hinter den dunklen Gebirgen, doch nur wenige wagten es dorthin und noch weniger waren je zurück gekommen, um von dort zu berichten. Er schüttelte den Kopf und bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmenge.
Rikard hatte sich mittlerweile auch ein Frühstück gegönnt. Er war immer noch etwas verwirrt wegen der letzten Nacht. So komisch es auch klang, er würde wohl ausnahmsweise doch mit Valerius zusammenarbeiten. Hier in der Stadt wusste er niemanden, der ihm etwas über die Kugel erzählen könnte und er wollte kein Risiko eingehen, nicht bei magischen Dingen, denn gegen diese wusste er nur wenig auszurichten. Nachdem Frühstück machte er sich auf nach Valerius zu suchen, dies war recht einfach, denn Valerius viel überall auf. Er begann seine Suche am Stadttor, denn wenn ihn dort niemand gesehen hatte, brauchte Rikard gar nicht erst weiter suchen, aber er hatte Glück und die Wachen konnten sich gut an Valerius erinnern, weshalb es nicht so schwer war ihn schlussendlich zu finden.
Valerius überlegte gerade, was Arleas nächtliches Ereignis zu bedeuten hatte oder was wohl dahinter stecken könnte, als auch schon die Tür des Gasthauses aufflog und ein leicht durchnässter Kerl eintrat, der direkt auf Valerius zu ging.
Der Träger war nahe, das spürte er. Er spürte wie seine Kraft langsam stärker wurde. Bald würde er wieder frei sein und sich an jenen rächen, die ihn in die Kugel eingesperrt hatten.Arlea lehnte sich in den Stuhl, denn sie war pappsatt. Sie sah die Tür aufgehen und einen nassen Typen hereinkommen. Genauergesagt kam er genau auf Valerius und ihren Tisch zu. "Wer isn dass da?" entkam es ihr und sie deutete auf ihn, so dass sich Valerius umdrehte. Sie zog sich wieder etwas am Stuhl hoch, um richtiger drauf zu sitzen. Sie lehnte ihre Arme auf den Tisch, wobei ihre Ärmel etwas hochrutschten und die Armreife erkennbar waren. Sie hatte ein neugieriges Gesicht aufgelegt.
Valerius drehte sich langsam um und noch bevor er groß etwas sagen konnte, bekam er eine Tasche auf den Schoss und geworfen und der Neuankömmling setzte sich auf den Stuhl neben ihm. "Ich will wissen, was das Ding ist und eventuell bin ich bereit es dir abzutreten!" sagte er und warf seine Kapuze zurück und Valerius erkannte nun Rikard und war leicht überrascht. "Starr keine Bauklötze in die Luft und gib mir meine Antwort, dann bin ich auch wieder weg. "Man könnte auch guten Morgen sagen, Rik!" antwortete Valerius leicht gereizt. "Wieso bist du überhaupt hier?" "Das geht dich nen feuchten an! Beantworte meine Frage und ich bin wieder weg." Valerius lies jetzt einfach mal dabei, am liebsten hätte er ihm gerne eine verpasst. Er öffnete vorsichtig die Tasche und erblickte die Kugel. Das besondere an ihr war die Fassung in der Drachenklaue, die durchaus wirkte, als sei sie von einem echten Drachen. Vorsichtig stellte er sie auf den Tisch.
Da war er der Träger, er konnte sie nun sehen. Sie war noch jung. Leicht beeinflussbar, das war gut. Es würde ein einfaches sein, sich ihrer zu bemächtigen und er war so nah, er musste nur in ihrer Nähe bleiben, bis die Kraft da war, seinen ersten Schritt zu tun.
Valerius war sich nicht ganz sicher, was er da sah. Es wirkte auf den ersten Blick wie eine Kristallkugel zum Spionieren oder zum Wahrsagen, also nicht besonderes, aber da war noch etwas anderes. Unterdessen hatte Arlea das Gefühl als würde die Kugel sie anstarren und ihre Armreifen kribbelten irgendwie.Arlea starrte den Fremden Mann an. Sie wußte, dass man das nicht tat, weil es unhöflich war, aber sein Verhalten war eh nicht besser gewesen, also war es ihr komplett egal. Was konnte man sich für Benehmen schon kaufen. Ihre Handgelenke, oder waren es die Armreifen, juckten seltsam. Sie wurde etwas nervös und rutschte unruig auf dem Stuhl herum, während die beiden sich unterhielten. Irgendwie wurde sie nervös und so stand sie auf. "Ähm, viel Spass beim Unterhalten, ich geh mal zu Danja..." stotterte sie und huschte eilig zur Türe hinaus.
Danja war gerade mit Flamdir's Fell fertig, als Arlea in den Stall kam. "Ja hallo! Noch etwas Stalluft schnuppern nach dem Frühstück? Wir kommen auch gleich sobald Flint wieder aus dem Stroh gefunden hat. Ich glaube der Esel hat ihn reingeschubst. Ist euch nicht gut? Ihr seht etwas... durcheinander aus."
"Was auch immer es ist, es gibt mir Rätsel auf. Es scheint magisch aber zu gleich auch nicht. Ich habe das Gefühl irgendwas ist darin gefangen!" meinte Valerius nach dem er seine Untersuchung abgeschlossen hatte. "Das sagt mir immer noch nicht was das Teil kann!" beschwerte sich Rik und es entbrannte eine hitzige Diskussion zwischen den beiden.
'Nein, geh nicht!' versuchte er zu rufen, als die Trägerin aufstand. 'Ich brauche dich! Du bist mein Schlüssel in die Freiheit!'Arlea stand gerade in der Stalltüre, als Danja sie begrüßte. Sie nickte etwas abwesend. "Ich... äh..." stotterte Arlea. "..gehe wieder rein. Wollte nur nachschaun... was ihr macht." Und schon war sie wieder verschwunden. Sie betrat wieder den Schankraum und blieb bei den beiden diskutierenden stehen. Sie wartete einen Moment, während sie die Kugel anstarrte. Ohne etwas zu sagen, streckte sie nachdenklich ihre Hand danach aus, um sie zu berühren.
Er war erregt, scheinbar hatte sie seinen Ruf doch gehört. Nur noch ein paar kleine Zentimeter. Doch soweit kam es nicht.
Rikard ließ seine Faust auf den Tisch krachen genau zwischen Arlea und die Kugel. "Flossen weg, Kleine! Nur weil er sie anfassen darf, gilt das nicht auch für dich!" blaffte er Arlea an und wurde dafür etwas grob von Valerius angepackt. "Reg dich ab, sie nimmt sie dir schon nicht weg und kaputt geht sie auch nicht so einfach!" "Als ob du das wüsstest!" Mittlerweile wandten sich immer mehr Leute den beiden Streithähnen zu und man konnte dem Wirt ansehen, dass er überlegte, ob er die Wache holen sollte, bevor es eskalierte.
Mit jedem Zentimeter den Arlea sich der Kugel näherte, wurde das Kribbeln in den Reifen stärker und kurz bevor Rikard ihre Bewegung unterbrochen hatte, sah wie eines dieser seltsamen Zeichen auf den Armreifen schwach zu Leuchten anfing.Arlea hielt erschrocken inne und starrte den Mann etwas irritiert an und nahm ihre Hände weg, wobei sie sich das leuchtende Zeichen des Armbands anschaute. Dann blickte sie wieder auf. "Ich will deine blöde Kugel nicht. Die ist sowieso komsich, mit der stimmt voll was nicht! Warscheinlich willst du Valerius blos reinlegen!" maulte sie. Alles war friedlich gewesen, bis der blöde Kerl gekommenw ar. Sie mochte ihre neuen Freunde. Eigentlich waren es sogar ihre einzigsten und der Typ machte sie wütend. Blitzschnell schnappte sie die Kugel, steckte sie in die Tasche und wollte sie Rikard in die Hand drücken. "Verschwinde!" rief sie.
"Das ist doch mal eine gute Idee!" Danja lehnte im Türrahmen und hatte sich die ganze Szene schweigend angesehen. In ihrem seltsamen Aufzug aus Nachthemd, Waffenrock und Stiefeln sah sie nicht sonderlich ehrfurchtgebietend aus. Ihre Haare, die durch die feuchte Luft jetzt vollends wie ein zerzauster Wischmop aussahen taten ein übrigens. Das hinderte sie allerdings nicht daran Rikard an Kragen und Gürtel zu packen und mit Schwung in Richtung Tür zu befördern. Leider traf er nicht die offene Tür, sondern nur mit einem dumpfen Schlag ihren Rahmen. Danja machte ein spöttisch mitfühlendes Gesicht. "Oh, das tut mir aber leid! Ich dummes Mädchen habe nicht richtig gezielt. Lasst mich euch nochmal helfen!" Mit einem kräftigen Tritt in den Allerwertesten beförderte sie Rikard endgültig nach draussen. Flint konnte gerade noch zur Seite springen, als der Mann an ihm vorbei in den Schlamm des Hofes stürzte. Er zuckte mit den Schultern und trat in die Wirtsstube. "Hattet ihr nicht mal gesagt, dass Hausputz unter eurer Würde wäre?" Danja pustete sich eine ihrer widerspenstigen Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Du weisst, dass ich es hasse wenn man mich beim Frühstück stört. Kann ich jetzt endlich was zu essen bekommen?" Sie ließ sich auf einen Stuhl neben Valerius fallen und schaute abwartend in die Runde.
Bevor die Rittersfrau einschritt konnte er noch seine Tasche nehmen und musste dann sein Geschick aufwenden, um mit der rechten Hand sich am Türrahmen etwas abzufedern um den Schmerz zu lindern und nicht benommen zu werden. Gleichzeitig nutzte er seine flinken Finger der anderen Hand um sich des Gürtels der jungen Rittersfrau zu bemächtigen, als kleine Rache. Zuerst schnappte er sich seine Tasche beim Aufstehen und dann zeigte er sein Beutestück und warf es lässig über die Schulter und zog von dannen und bevor sie ihm nachsetzen konnten, verschwand er in einer dunklen Gassen in der Nähe. Er würde sie jedoch alle im Auge behalten. Vor allem das Mädchen, die anderen hatten es scheinbar nicht bemerkt, aber ihm war es aufgefallen. Als Arlea die Kugel in die Tasche gestopfte hatte, war ein kurzer Funken von der Kugel auf ihre Armreifen übergesprungen.
"Das war keine kluge Tat", meinte Valerius, "auch wenn er es verdient hat. Wir hätten das auch anders noch hinbekommen! Deinen Gürtel kannst du wahrscheinlich abschreiben." Man konnte jedoch immer noch sehen, dass Valerius Wut im Bauch hatte und am liebsten wäre er Rikard hinterher gerannt, aber er wusste nur zu gut, dass es zwecklos war. Jetzt wo die Kugel nicht mehr da war, leuchtete auch das Zeichen nicht mehr und das Kribbeln war weg.
Sie spürte langsam wieder etwas, glaubte ihren Körper zu fühlen, sie hatte ein wenig von ihrem Blut geschmeckt und das Bewusstsein kam langsam wieder. Sie war gefangen. Eine ruchlose Gruppe hatte sie Gefangen genommen und anschließen ihren Geist in die Kugel verbannt und ihr Blut in dunklen Ritualen eingesetzt. Sie war so wütend. Sie wusste nun was sie gewesen war und schämte sich für ihre Rachegedanken, die sie noch in einem Nebeltraum vor kurzem gehabt hatte. Das war nicht ihre wahre Natur gewesen, es war die dunkle Magie, die sie gefangen hielt. Sie musste hier raus und das Mädchen, welches ihr Blut an den Armen trug, allein konnte ihr helfen. Sie war jedoch wieder so weit entfernt und sie spürte wie das Böse erneut an ihr zerrte, um sie in einen ruhelosen Rachegeist zu verwandeln. Sie brauchte ihren Namen nur so konnte sie dem Einfluss etwas entgegen setzen, doch sie konnte sich nicht erinnern.Arlea hatte Danja grinsend zugeschaut und für sie geklatscht. "Super gemacht!" lobte sie ihre Freundin. "Aber ich glaube, du brauchst nen neuen Gürtel." kicherte sie. Arlea versuchte ihre Unsicherheit zu verstecken. Sie war sich nicht sicher, was es mit dieser Kugel auf sich hatte, aber da war etwas gruseliges. "Hmm, ich würde mir gerne die Stadt ein bsichen anschauen, bevor wir weiter gehen... geht das in Ordnung?"" frage sie Valerius, welcher nickte. Arlea nickte und ging langsam zur Türe hinaus.
Arlea steuerte auf das Zentrum zu. Dort befand sich meistens der Markt. Auch in dieser Stadt traf dies zu, nur dass er viel größer war, als jene, die sie bisher so gesehen hatte. Es waren schon sehr viele Menschen unterwegs. Sie drückte sich durch die Menge und erkannte bald, weshalb das Areal so groß war. Am Ende des Marktes befand sich eine riesige, etwas erhöhte Plattform, auf der sich das Transportportal befand. Allerdings interessierte sie sich nicht für das Portal, sondern für die vielen Stände, die sich mit Fundstücken befassten. Von denen gab es auf diesem Markt besonders viele. In Gedanken versunken betrachtete sie die ausgestellten Gegenstände.Danja seufzte ob des Verlusts ihres Gürtels, aber sie war sich sicher, dass sie diesen Kerl nicht zum letzten Mal gesehen hatten. Bestimmt würde sie sich mit ihm auf die freiwillige Rückgabe einigen können. Erstmal machte sie sich über das reichhaltige Frühstück her. Arlea wollte in die Stadt gehen und Danja winkte ihr zum Abschied. "Nehmt euch aber vor dem Schlammspringer in Acht, der könnte wirklich gefährlich werden!" Nach dem Frühstück ging Danja wieder nach oben, wusch sich und zog sich an. Zum Glück hatte sie noch ihren Waffengürtel und es konnte sicherlich nicht schaden, wenn sie ihr Schwert griffbereit hatte. Dann ging sie wieder nach unten. Flint wartete schon an ihrer Tür und pfiff eine kleines Liedchen vor sich hin. Danja sah ihn misstrauisch an, ging dann aber ohne ein Wort weiter. Im Gastraum sah Danja sich nach Valerius um.
Valerius saß wieder auf seinen Stuhl, er hatte einen Bierkrug vor sich. Es war für ihn eigentlich noch zu früh zum Trinken, aber er brauchte jetzt definitiv einen Schluck. Er bemerkte Danja kaum, auch Arleas Frage hatte er kaum mitbekommen, denn er ging zum hundertsten oder tausendsten Male die Frage durch, was hatte seine Freundschaft mit Rikard beendet? Was war Schuld daran? Früher hatten sie so einiges miteinander durchgestanden und Rikards Schlauheit mit Valerius' Wissen gepaart, hatte sie schon aus so mancher kniffligen Situation befreit oder ihn einen frischen Kuchen beschert. Dann war da noch diese seltsame Kugel und dieser andere Kerl. Irgendwas braute sich zusammen, er spürte es, tief im inneren.
Nachdem er festgestellt hatte, dass der Gürtel nichts besonderes war, hatte Rikard ihn einfach weggeworfen. Auch er dachte wieder an die alte Zeit zurück und war wütend auf sich, dass er zu Valerius gestapft war und ihn wegen der Kugel gefragt hatte. Hätte er doch eher einen ansässigen Magier bezahlt. Genauso wie sein alter Freund brauchte auch er erst Mal Ablenkung, aber ein Bier würde es nicht tun, er brauchte etwas anderes. Zielstrebig lief auf eines der Freudenhäuser zu. Es war noch geschlossen, aber er hörte hintendran Stimmen also war jemand wach und anwesend. Er klopfte. "Wir haben noch geschlossen!" rief ein kräftige Frauenstimme. Die Bemerkung ignorierend klopfte er weiter, bis endlich wohl die Besitzerin die Tür öffnete. "Ihr seid wohl taub, ich sagte: Wir haben noch geschlossen! Kommt gegen Abend wieder!" "Das interessiert mich nicht!" sagte Rikard und drückte der Frau einen kleinen Beutel mit Edelsteinen in die Hand und zwängte sich an ihr vorbei. Als sie die Edelsteine sah, zeigte sich die pure Gier der Besitzerin und sie vollführte einen sofortigen Gedankenwechsel durch. "Selbstverständlich machen wir auch ausnahmen. Kann ich euch etwas bringen, während ich euch meine Mädchen vorführe?" heuchelte sie. Vielleicht konnte er ja in den Armen einer Frau die Vergangenheit vergessen, zumindest hoffte Rikard dies, so wie jedes Mal, wenn sie sich einander begegneten.Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen. Arlea hatte eine ganze Weile an einem Stand, der sehr interessante Dinge hatte, verbracht. Der Verkäufer blickte sie zerknirscht an. "Also Mädchen, entweder du kaufst was, oder du verschwindest. Du blockierst hier ja den ganzen Stand!" knurrte er sie an. Arlea streckte ihm die Zunge raus und schlich sich davon. Sie grinste vor sich hin, denn er hatte scheinbar nicht bemerkt, dass sie etwas geklaut hatte. Sie marschierte an den Rand des Marktes, wo es viel ruhiger war. Hier gab es die ersten Wohnhäuser und Gassen. Sie setzte sich an den Rand eines größeren Brunnens und holte den Gegenstand, den sie dem Standbesitzer abgenommen hatte. Es war ein kleiner, einfacher Anhänger, der einen kleinen, blauen eingebundenen Stein hatte. Sicher nicht besonders wertvoll, aber er gefiel ihr. Wenn sie die Stadt verlassen hatten, würde sie ihn sich umhängen. Nachdenklich blickte sie auf die Armreifen, die nun die seltsame Angewohnheit entwickelt hatten, unter bestimmten Umständen seltsam zu kribbeln. Sie versuchte sie mal wieder auszuziehen, aber sie saßen immer noch so fest wie angewachsen. Verärgert zog sie ihre Ärmel wieder darüber, als jemand vor ihr stehenblieb, denn sie sah zwei Beine, die in schweren Stiefeln steckten. Arlea blickte auf und erblasste.
Der Drachenblutjäger lächelte dünn. Er hatte eigentlich schon weg sein wollen, als er sie entdeckt hatte. Nun saß sie ganz alleine vor ihr und spielte mit einem Anhänger. "Wer hätte gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen, kleine." sagte er, während das Mädchen sich etwas unbewholfen aufrappelte. Ihren Blicken nach, suchte sie scheinbar nach einem Fluchtweg in Richtung des Marktes. Er wollte dies verhindern, in dem er ihrem Arm packte. Doch bevor er zugreifen konnte, lief sie los, allerdings in Richtung der Gassen der nahen Häusern. Das Gör hatte ihn reingelegt, Damit hatte der Jäger nicht gerechnet und fluchend setze er ihr nach.
Arlea rannte so schnell sie konnte durch die dunklen Gassen. Wann immer so konnte, wechselte sie die Richtung. Letzendlich hatte sie den Kerl abgehängt. Zum einen war sie viel flinker und zum anderen trug der Mann schwere Kleidung und scheinbar leichte oder mittelschwere Rüstung. Schnaufend lehnte sie sich an eine Hauswand und versuchte wieder ruhiger zu atmen. Sie blickte sich um und stellte fest, dass sie nun ein neues Problem hatte, denn sie hatte sich bei ihrer Fluchtaktion gnadenlos verlaufen. Hier waren nur wenige Leute untwegs und so ging sie die etwas breitere Gasse entlang und erreichte eine schmale Straße. An einem Eckhaus standen zwei junge Frauen in sehr schönen, aber knappen Kleidern. Sie schienen gerade eben erst vor die Tür gekommen zu sein. Arlea hob eine Augenbraue, dass war schon irgendwie seltsam, aber die Frauen konnte sie wohl nach dem Weg fragen und so ging sie auf die beiden zu. "Entschuldigung... könnten Sie mir den Weg zum Markt weisen?" fragte sie schüchtern. Die beiden Frauen lächelten sie nichtssagend an und deuteten in eine Richtung, als Arlea bemerkte, dass ihre Armreifen wieder zu kribbeln begannen. Sie nickte den beiden dankend zu und ging langsam in die Richtung, die ihr gezeigt worden war. Sie blieb kurz stehen und rieb sich die Arme, auch wenn das wie immer leider nichts brachte, das Kribbeln war noch da, wenn auch einen kleinen Tick schwächer als bei den Frauen vor einem Moment. 'Komisch' dachte sie bei sich und ging langsam weiter.
Er glaubte kaum wen er sah, als er aus dem Freudenhaus kam. 'Was hat die Kleine hier zu suchen? Und wo sind die anderen beiden Nervensägen?' fragte sich Rikard, als er Arlea sah. 'Das ist absolut nicht die Gegend wo sie rumlaufen sollte! Verdammt noch mal Val jetzt kann ich auch noch deinen Job übernehmen!' Rikard wusste nur zu gut, dass es noch ein gutes Stück war bis Arlea aus dem Freudenviertel heraus war und sie viel auf. Sie gehörte nicht hier her und beschäftigte sich zu sehr mit ihren Armreifen, die auch noch jeder sehen konnte. Zudem war sie auch noch jung, also das perfekte Opfer für die Jäger, welche ahnungslose Frauen in die Knechtschaft eines Puffes treiben wollten. Ihnen spielte natürlich noch in die Hände, das Wachen diese Gegend mieden, einfach nur um nicht in irgendwas verwickelt zu werden und jene, die sich hier hinein wagten, waren korrupt und hatten hier selbst, das eine oder andere Geschäft am laufen. Es dauerte auch nicht lange, da hatte sich schon eine schmierige Ratte an Arleas Versen geheftet. Somit blieb Rikard entweder die Option nichts zu tun und sich wieder eigenen Geschäften zuzuwenden oder ihr den Kerl vom Leib zu halten. Im großen und ganzen konnte er nur letzteres machen, denn für ersteres wäre er ihr erst gar nicht gefolgt.
Es schien erst als er hätte die Kleine aus den Augen verloren und der Drachenblutjäger fluchte und wollte sich wieder in Richtung des Transportzirkels zu machen, als er das Gör doch wieder erblickte. "Wie treffend, in dem Viertel hier, interessiert es niemanden, wenn ich die Kleine mitnehme!" sagte er zu sich selbst und folgte ihr erstmal heimlich um dann zuzuschlagen, er bemerkte jedoch nicht, dass Arlea noch von jemanden verfolgt wurde und wurde von Rikard überrascht, just in jenem Moment wo er seine Schritte beschleunigt hatte, um Arlea mit etwas Kraft in die Seitengasse zu schubsen. Er spürte einen kräftigen Tritt in die Kniekehle und sank auf die Knie, es folgte sofort noch ein Tritt auf den Hinterkopf, der ihn vollends auf den Boden warf. Mit Kopf schütteln versuchte er wieder etwas Klarheit zu bekommen und sich zur Wehr zu setzen, doch ehe er sich versah, bekam er noch einen Tritt gegen das Kinn und sank erneut zu Boden. Er spürte wie ihn jemand mit zwei Rucken umdrehte und bevor ihm ganz schwarz vor Augen wurde, sah er nur noch eine Faust auf sich zu kommen und es gab ein schmatzendes Geräusch als die Nase brach. Seine letzten Gedanken waren: "Dieses Balg macht auch nur Ärger!"
Rikard zog so gut es ging den Kerl in die Seitengasse und fluchte über das Gewicht des Kerls und einen Schädel aus Stein hatte er auch noch. Zumindest fühlte sich seine rechte Faust so an, als hätte er einen Fels zertrümmern wollen. Entscheidend war, dass Arlea zu sehr mit sich beschäftigt war und er es schnell genug durchgezogen hatte, dass sie nicht mitbekommen hatte. Sie schaute zumindest etwas verdutzt zurück, weil sie scheinbar doch etwas gehört hatte. Er hatte nicht genug Zeit um sich mit dem Kerl weiter zu beschäftigen, noch war die Kleine nicht aus der Gefahrenzone, somit beließ er es dabei, dem Kerl den Geldbeutel abzunehmen und noch einen weiteren Gegenstand, den der Kerl mit sich trug und interessanterweise schwach in Arleas Richtung wies. Er folgte Arlea bis sie das Viertel verlassen hatte und ging dann seinen Weg zu seiner Taverne zurück und bereitete seine eigene Abreise vor. Zuvor würde er aber nochmal bei Valerius vorbeischauen. Schließlich hatte er seine Arbeit getan und bestimmt nicht umsonst.Danja hatte den Eindruck, dass Valerius gerade irgendwie nicht nach reden war und sie beschloss auch zum Markt zu gehen. Vielleicht hatten die hiesigen Waffenschmiede ja etwas besonderes zu bieten. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen und Danja schlenderte zusammen mit Flint über den Markt. Am Stand eines Waffenschmiedes testeten sie mit Begeisterung die Balance der Schwerter, die in diesem Land leichter und schlanker gefertigt waren, als in ihrer Heimat. Schließlich kaufte sich Danja einen kleinen flachen Dolch, den sie bequem in ihrem Stiefelschaft tragen konnte. Schließlich wusste man in der Fremde nie, wann man so etwas brauchen konnte. Flint bekam dann noch ein neues Messer, das er sofort gegen sein altes tauschte, das schon ein paarmal zu oft nachgeschliffen war. Weiter ging es über den Markt und mit Wonne wurden allerlei Süssigkeiten probiert, dann musste Flint etwas genervt und peinlich berührt warten bis sich seine Herrin ob der wuscheligen Knuddeltiere für reiche Damen wieder einkriegte. Später kehrten sie bepackt mit dem verschiedensten Naschwerk wieder zur Herberge zurück.
Arlea schaute sich um, doch sie konnte nichts besonderes entdecken. 'Ich höre wohl Gespenster...' dachte sie bei sich und marschierte weiter in Richtung Markt. Das seltsame Kribbeln in den Armreifen blieb noch eine Weile bestehen und ließ dann etwas nach. Als sie wieder am Rande des Marktes war, atmete sie merklich auf. Diese Stadt war der reinste Irrgarten, vor allem das seltsame Viertel in dem sie zuvor gelandet war. Der Vormittag war schon vorangeschritten, deshalb machte sie sich auf den Weg zurück zur Herberge. Die anderen würden sicher schon auf sie warten. Sie betrag den Schankraum und als sie niemanden ihrer Freunde drinnen sah, marschierte sie auf das Mädchenzimmer und packte ihre wenige Habe zusammen. Die geklaute Kette steckte sie in einen ihrer kleinen Beutel. Als sie fertig war, ging sie die Treppe wieder runter, um dort auf die anderen zu warten.
Es dauerte eine ganze Weile, bis der Drachenblutjäger wach wurde. Sein Kopf brummte und schmerzte. Er rieb sich die verletzte Schläfe und ärgerte sich über seine eigene Unachtsamkeit. Er hatte sich so sehr auf das Mädchen konzentriert, dass er alles andere vergessen hatte. Er hatte nicht einmal mitbekommen, wer ihn zusammengeschlagen hatte. Ein Glück für denjenigen, denn würde er diesem wieder über den Weg laufen, hätte dieser nichts zu lachen. Er rappelte sich langsam auf und kontrollierte seine Habe. Mit einem lauem, unflätigen Fluch tat er seine Wut Kund, als er bemerkte, was ihm fehlte. Dafür würde jemand büßen. Zumindest hatte er noch ein wenig Geld bei seiner Ausrüstung, die er mit seinem Pferd zurückgelassen hatte. Zuerst würde er nach Hatrek zurückkehren müssen, um sich eine neue Drachenträne zu besorgen. Das würde noch Probleme mit sich ziehen, da diese Gegenstände sehr selten waren, weil ihre Herstellung sehr kompliziert war und nur wenige wußten, wie. Er richtete seine Kleidung und verließ die dunkle Gasse. Er knurrte jeden, der ihm auch nur zu nahe kam, wütend an. Er holte sein Pferd an und verließ die Stadt durch das Transportportal.
Valerius hatte sich nochmals hingelegt, der Morgen war ihm nicht sonderlich gut bekommen. Er hatte ein kleines Mittagessen eingenommen und war dann einfach etwas ziellos durch die Stadt gelaufen. Er würde zurück nach Estrasund gehen und schauen ob der Toragtempel erneut Arbeit für ihn hatte. Nachdem es hier leider nicht so spannend war, wie er gedacht hatte. Er fragte sich, ob die anderen mitkommen würden, wobei er sich für seine drei Begleiter zu alt fühlte. Er fragte sich auch was er eigentlich gewollt hatte von Rikard, die Gegenstände, die er eingesackt hatte, konnte er ihm eh nicht wegnehmen. Die Ruinen gehörten niemand und von daher kam das alte Gesetz, wer es findet dem gehört es, zum Tragen. Er begrüßte Arlea als er wieder im Gasthaus erschien und setzte sich zu ihr. "Ich werde wohl morgen, in meine Heimat aufbrechen. Ich brauch eine neue Aufgabe", sagte er und bestellte sich einen Tee und etwas zu essen.
Arlea schaute ihn nachdenklich an. "Also trennen wir alle uns wieder?" Sie wirkte beinahe ein wenig traurig. Innerlich sogar noch viel mehr, denn in Wirklichkeit war sie sehr einsam. Immer unterwegs, immer alleine. Sie starrte den Tisch an und murmelte leise. "Ich mag nicht, dass unsere Gruppe sich trennt, mir hat es gefallen..."
Auf dem Weg zur Herberge hatten Danja und Flint fleissig von ihren Süssigkeiten probiert. Als sie gerade durch die Tür der Herberge traten kämpfte Danja gerade mit etwas sehr süssem, klebrigem und ihre Backen und Finger waren voller Mehl. "Haho huhammen!" Sie schluckte kräftig. "Oh, hier gibt so leckere Sachen... sagt mal, ihr schaut ja drein, als würde es immer noch regnen. Hier, probiert mal!" Fröhlich liess Danja ihre süßen Schätze auf den Tisch fallen, setzte sich dazu und schaute die beiden abwartend an.
"Ich habe beschlossen, morgen wieder in meine Heimat zurückzukehren, ich weiß auch nicht was mich getrieben hat, Rikard zu verfolgen, obwohl ich weiß, dass was auch immer er eingepackt hat ich ihm nicht abnehmen kann, ohne ein Dieb zu sein. Und irgendwoher muss ich mein Einkommen herkriegen!" erklärte Valerius und aß still seinen Braten weiter. Er konnte auch Danja ansehen, dass ihr seine Entscheidung nicht so gefallen hatte, doch was sollte er groß tun. Stille senkte sich über ihren Tisch, zumindest für eine kurze Zeit, bis ein wütender Gast hereinkam, irgendwas musste ihm passiert sein, zumindest seinem Auge nach zu urteilen, welches gut angeschwollen war. "Ich ziehe sofort aus. Hier das Gold und tschüss!" Der Kerl schien noch nicht mal sein Gepäck aus dem Zimmer holen zu wollen. Es dauerte auch nicht lange, bis Rikard durch die Tür kam. Er ignorierte erstmal die anderen und ging direkt zum Tresen. "Ich hörte es ist gerade ein Zimmer freigeworden. Ich nehme es!" Dann setzte er sich zu Arlea, Danja, Flint und Valerius an den Tisch. "Ich habe dich wirklich für verantwortungsvoller gehalten, Val!" warf er seinem alten Freund vor. "Du bist schon öfters in solchen Städten gewesen und weißt wie gefährlich sie sein können. Wäre ich nicht gewesen, könntest du dir ihre Dienste bald kaufen oder hättest ihren verstümmelten Leichnam irgendwo gefunden!" Es war offensichtlich das Valerius nicht wusste wovon Rikard sprach. "Kannst du das mir bitte näher erläutern?" "Klar, kann ich. Aber vielleicht sollte sie es selbst beichten, wie es sich gehört!" Damit blickte er Arlea an.
Arlea starrte den Kerl verdutzt an. Sie hatte keine Ahnung, von was genau er da faselte. "Meinen Leichnahm? Ich wandere seit ich vierzehn bin alleine durch die Gegend und jetzt kommst du daher und willst Papa spielen? Und das nachdem DU dich hier so aufgeführt hast? Arlea blickte zu Valerius. "Ich weiß nicht, von was genau er spricht. Ich bin auf dem Markt unserm Freund am Brunnen begegnet und hab ihn erfolgreich abgehängt, mehr nicht!" Sie war sich nicht ganz sicher, auf was Rikard anspielte, aber sie war doch erfolgreich vor dem anderen davon gelaufen. Und das bischen Verlaufen danach hatte sie auch irgendwie in den Griff bekommen.
Danja und Flint hatten erstmal ihre Süssigkeiten in Sicherheit gebracht, als sich Rikard an ihren Tisch setzte. Etwas irritiert folgte sie der kurzen Unterhaltung. "Vielleicht ist es einfacher, mein Herr, wenn ihr die Sache erklärt. Ich bin momentan auf der Suche nach einem Grund, warum ich euch nicht auf den Misthaufen werfen sollte, wo ihr hingehört. Also helft besser mit diese Verwirrung schnell zu lösen!" Danja hatte sehr freundlich gesprochen und lächelte Rikard jetzt an, was Flint dazu veranlasste etwas von ihr abzurücken.
"Sie war im Freudenviertel und wäre beinahe in einem der dortigen Häuser geendet." sagte er einfach und wartete die Reaktionen ab, dass er irgendjemanden zusammengeschlagen hatte, musste er ja nicht erzählen. Valerius war geschockt und wusste erst Mal nicht so recht was er sagen sollte. Sondern musste sich eventuell eingestehen, dass er vielleicht doch eher mit Arlea gegangen wäre oder sonst irgendetwas anderes hätte tun sollen. "Danke, dass du auf sie acht gegeben hast", sagte er dann doch schließlich. "Für ein Danke lässt sich nichts kaufen, aber ich will es mal dabei belassen, aufgrund der alten Zeiten willen. Ich will wissen was es mit dir auf sich hat, Kleine! Irgendwas stimmt doch mit dir nicht!" meinte Rikard weiter und holte dann die Drachenträne hervor. "Oder warum sonst spielt das Teil hier verrückt je näher es bei dir ist!" Seltsam war nur, dass die Drachenträne jetzt nicht so recht wusste wo sie stärker ausschlagen sollte. In Richtung von Rikards Tasche oder in Richtung von Arlea. Was war das für ein schrecklicher Schrei den sie hörte. Es tat so weh. Sie hatte es schon einmal gespürt letzte Nacht. Es tat so weh. Könnte sie doch nur diesen Schmerz ausschalten. Sie schrie einen stummen Schrei aus, voller Schmerz. Einzig Arlea hörte den Schrei in ihrem Kopf und auch die Armbänder fingen wieder furchtbar an zu kribbeln. Auch schien aus den Schlitzen der Tasche wieder das Leuchten der Kugel.
"Ich war wo?" fragte Arlea verwirrt. Jetzt erklärte sich allerdings der luftige Kleidungsstil der Frauen und in ihrem Gesicht machte sich ein verstehender Blick breit. Sie blickte nachdenklich drein, während sich Valerius bedankte. Ihr fiel ein, dass sie etwas gehört,a ber nichts gesehen hatte, dass dazu gepasst haben könnte. Arlea schaute Rikards Drachenträne verwirrt an. "Ich weiß nicht... An mir ist nix besonderes, außer das so ein Kerl behauptet, ich hätte Drachenblut oder so einen Mist." Arlea wollte noch etwas sagen, als ihre Armbänder wieder zu kribbeln begannen, stärker als zuvor. Sie hörte einen stummen Schrei und hielt sich die Schläfen, während sie aufkeuchte.
Danja sprang auf, als Arlea auf die Drachenträne reagierte und schob sich etwas vor sie. Nur mühsam konnte sie sich zurückhalten dem Kerl nicht diesen komischen Stein aus der Hand zu schlagen. Wütend fauchte sie Rikard an. "Nehmt dieses Ding weg, oder ich werde heute noch viel Spass mit euch haben!" Ihr Körper war angespannt wie eine Feder, die jeden Augenblick losschnellen konnte. Zornig funkelte sie ihn an, während sie sich mühsam beherrschte. "Entweder ihr sagt uns jetzt was ihr wollt und was das hier ist, oder ihr verschwindet!"
Arlea war Rikard grad recht gleichgültig, denn er roch verbranntes Leder und er spürte auch eine enorme Hitze. Irgendwas schien mit der Kugel nicht zu stimmen, das Leuchten hatte er ja schon gesehen, aber das.
'Stellt es ab! Stellt es ab!' schrie sie immer lauter. Der Ton wurde immer intesiver, sie hielt es nicht mehr aus und ihre Schreie wurden immer schriller, so dass Arlea auch aufschreien musste. Auch waren auf ihren Armreifen einige Zeichen nun deutlich sichtbar.
Valerius reagierte dahin gehend, dass er hurtig seine Formel sprach, um Magie zu erkennen und er wurde schier geblendet von der Intensität der Magie, die gerade wirkte und alles schien von der Träne ausgehen und irgendwie die anderen Magieflüsse zu stören. Es gab nur einen Schritt, der ihm auf die Schnelle einfiel. Er zog seinen Zweihänder und schlug die Drachenträne in zwei. Es gab einen kurzen Lichtblitz als die Magie der Träne zerstört wurde. Jedoch ging dabei natürlich auch der Tisch und alles darauf zu Bruch und sie waren natürlich schlagartig im Mittelpunkt der Taverne. Mit der Zerstörung der Träne klang auch das Leuchten der Kugel ab und auch das Schreien in Arleas Kopf ließ nach.
Rikard bemerkte wie der Wirt nach den Wachen schickte und es stellte sich verdammt nochmal die Frage wie sie dies alles erklären sollten. Er wusste ja noch nicht mal selbst genau was los war. Somit regte sich sofort sein Selbsterhaltungstrieb. "Val, geh hoch und hol euer Zeug und steck dein Buttermesser weg! Du Rittersfrau schaff die Kleine raus! Junge, du holst eure Pferde und dann verschwindet aus der Stadt. Val und ich kommen nach!" befahl er allen und instinktiv reagiert Val auf den Befehl, es war seltsam, aber irgendwie vertraute er immer noch seinem alten Freund. Rikard warf dem Wirt den gestohlenen Geldbeutel zu von heute Mittag, der Inhalt reichte hoffentlich, er hatte ihn nicht gezählt. Danach half er Valerius die Sachen zu tragen.Danja erkannte, dass jetzt nicht die richtige Zeit war diesem Kerl die Zähne einzuschlagen. Aber bestimmt würde sie noch Gelegenheit haben sich für den ganzen Magiekram zu bedanken. Nichts als Ärger hatte sie damit. Danja drückte Flint ihren Beutel in die Hand und er zog Arlea nach draussen zu den Ställen. Schnell rannte sie nach oben und raffte ihr Gepäck aus dem Zimmer zusammen, danach ging es wieder nach unten. Flint hatte mittlerweile schon die Pferde und den Esel nach draussen gebracht und zog gerade die letzten Gurte fest, als Danja zurückkam. Schnell luden sie das restliche Gepäck auf, dann setzte Danja Arlea auf Flamdir's Sattel und setzte sich selbst dahinter. So schnell, wie der eilig trabende Packesel es erlaubte ritten sie los. Auch das kleine Grautier schien zu spüren, dass es eilte, so flink warf es die Hufe. Ohne anzuhalten durchritten sie die Stadttore und wurden erst wieder langsamer, als sie den Schutz des Waldes erreicht hatten.
Arlea hatte so etwas noch nie erlebt. Das Ganze machte ihr ziemlich zu schaffen. Sie hatte nicht viel Ahnung von Magie oder Drachen. Und auch ncuiht von schreienden Stimmen, vor allem der Sorte, die nur sie zu hören schien. Ihr Kopf tat immer noch weh und so bekam sie nur halb mit, wie sie zu den Pferden gezogen wurde.
Schweigend grübelte sie über das Geschehene nach, als sie merkte, dass sie angehalten hatten. Sie befanden sich am Rande eines Wäldchens, an dem ein kleiner Bachlauf entlang plätscherte. Arlea kletterte nach Danja vom Pferd herunter und ging langsam zum Bach und kniehte sich herunter. Sie bewässerte ihr Gesicht, in der Hoffnung, dass es gegen das Kopfweh helfen würde. Nach einem Moment setzte sie sich ganz an den Bachlauf und blickte das langsam fließende Wasser und die Fischlein darin an. Noch immer hallte die Erinnerung des Schreis in ihrem Kopf nach und sie fragte sich, was genau passiert war. Sie fragte sich auch, was zwischen Rikard und Valerius war, irgendwas daran war schon seltsam. Einerseits können sie sich wohl nicht leiden, andererseits hatte Rikard ihnen irgendwie geholfen. Sie unterdrückte einen neuerlichen Zwang, ihre Armbänder anzusehen und seuftze.Valerius schnappte sich das Zeug aus ihren Zimmern und hörte wie Rikard, die Treppe hoch gerannt kam. Eilig warf ihm ein paar Dinge zu. "Verdammt jedes Mal, wenn du auftauchst stecke ich tiefer in der Scheiße als je in meinem Leben. Jetzt lauf ich auch noch vor Stadtwachen davon. Meinem Schwesterlein wird das nicht gefallen!" meinte Valerius. "Werd endlich selbständig, Mann! Dann brauch ich auch nicht immer deinen Arsch zu retten und deine Schwester konnte ich noch nie leiden!" antwortete Rikard und stieß das Fenster auf, um durch jenes zu fliehen, denn unten hörte er schon die Wachen ankommen. Es war eine ganz schöne Verfolgungsjagd durch die Straßen, während der Jagd hatte Rikard die Chance genutzt und bei einer Dame, die ungefähr Danjas Statur hatte, irgendwie ihren Gürtel zu entwenden, samt Geldbeutel. Der entsetzte Aufschrei der Dame, deren Rock nun nach unten rutschte und das eine oder andere entblößte, gab auch den Ausschlag, dass die Wachen endlich abgehängt werden konnten. "Verdammt, Rik! Wie oft noch, Stehlen ist gegen das Gesetz!" beschwerte sich Valerius. "Immer noch dergleiche Spießer wie letztes Jahr! Außerdem hab ich bei einer deiner Begleiterinnen noch was gut zu machen und der Gürtel dürfte ihre Größe haben. Okay, zu ihrem Kampfdress passt der nicht, aber sie wird doch sicherlich auch ein paar andere Klamotten haben. Sag mal ist da eigentlich schon was mit dir und den beiden Mädels schon was gelaufen?" "Bist du noch ganz dicht, die sind doch viel zu jung!" "Oh man, du bist ja schlimmer als deine alte Anstandsdame!" Mit solchen Unterhaltungen schafften sie es dann auch in den Wald zu den anderen. So wie die beiden im Licht der untergehenden Sonne ankamen, war von dem morgendlichen Zwist zwischen den beiden nichts mehr zu bemerken und man konnte zum ersten Mal erkennen, dass sie wohl wirklich alte Freunde waren, auch wenn sie nicht so wirklich zusammenpassten. Da war Valerius, der alles so gesetzestreu, geregelt und ordentlich machen wollte wie möglich und am besten so, dass es allen recht war und Rikard auf der anderen Seite, bog sich die Gesetze zu recht, tat nur wonach ihm der Sinn stand und dabei interessierte er sich kaum was die anderen davon hielten.
Schlussendlich warf Rikard Danja noch den Gürtel zu. "Hier leider ist mir dein alter verloren gegangen, ich hoffe der tut es als Ersatz auch!" meinte er und genoss einen Schluck aus der Weinflasche, die Valerius geköpft hatte.Danja vergewisserte sich kurz, ob es Arlea einigermaßen gut ging, dann kam schon Flint an und half ihr in ihren schweren Schuppenpanzer. Nicht dass es ein zerschlagener Tisch wert gewesen wäre dafür Blut zu vergießen, aber Danja wollte nicht das Risiko eingehen, dass es ihr eigenes Blut sein könnte. Zum Schluss setzte sie ihren Helm auf, was sie plötzlich weniger menschlich wirken ließ. Die Augen waren im Schatten der stählernen Brille des Spangenhelms nur noch zu erahnen, ein Kettengeflecht bedeckte das restliche Gesicht und den Hals. Eilig half sie Flint dann noch beim anlegen seiner ledernen Rüstung und dann warteten sie auf Valerius und Rikard. Oder die Wachen, je nachdem was zuerst kommen würde. Es waren schließlich doch die beiden, die endlich in der Abenddämmerung auftauchten. Danja fing den Gürtel auf, den Rikard ihr zuwarf, dann ging sie kopfschüttelnd zu ihrem Gepäck, während sie leise vor sich hinmurmelte. "Eines Tages schlage ich diesem Narren die Zähne ein... nicht heute, aber irgendwann bestimmt..." Flint richtete das Lager her, während Danja wieder etwas abrüstete und Helm, Schild, Panzerschienen und Schwert verstaute. Den langen Dolch behielt sie besser noch bei sich, dann setzte sie sich zu den anderen und schnitt für alle Brot und Speck auf. "Ich glaube wir haben da mit Arleas Armreifen ein kleines Problem, das wir lösen sollten. Hat irgendjemand eine sinnvolle Idee?"
Rikard lehnte sich an einen Baum und kramte irgendwo ein kleine Holzschachtel hervor, wo er etwas Tabak hervorholte und sich eine Art Zigarette drehte. "Nun ja, Fakt ist, dass die hier mit den Armreifen der Kleinen zusammenhängt!" Er holte die Kristallkugel hervor. "Und jetzt bist du dran, Val. Was haben wir da vorhin sehen müssen, was ist da passiert! Ich hab zwar schon einiges an magischem SchnickSchnack gesehen, aber das war schon etwas übel!" "So genau hab ich es selbst nicht verstanden. Dieses Ding was du auf den Tisch gelegt hast, störte irgendwie die Magie der Kugel und der Armreifen und.... Ach wie erkläre ich es. Ich verstehe es noch nicht einmal selbst. Jedenfalls gab es eine Art Kakophonie welches auf die Kugel und Arlea praktisch einschlug. Mit der magievernichtenden Wirkung meiner Klinge konnte ich dies unterbrechen, aber was genau passiert ist weiß ich nicht", erklärte Valerius und aß etwas Brot. "Dann werden wir das herausfinden müssen!" sagte Rikard trocken. "Und es gibt wohl nur einen Ort wo wir anfangen können, genau da wo alles seinen Anfang genommen hat, in den Ruinen!"
Arlea hatte sich irgendwann zu der Gruppe gesetzt und schweigend zugehört. "Ich glaube, der Fremde, der mich schonmal mitnehmen wollte, hat irgend einen Gegenstand gehabt, den er benutzt hat um Leute mit Dachenblut zu finden. Zumindest hat er behauptet, dass er sie sucht und ich habe angeblich welches." sagte Arlea, als eine kleine Pause entstanden war. "ich kapier nur nicht, dass es Sachen wie diese Armbänder giebt, die man nicht abnehmen kann. Ich kann sie ja nicht einmal bewegen..." murmelte sie leise. "Hauptsache, ich muss das Geschrei nicht mehr hören, das war grausig..." Mit Schrecken erinnerte sie sich daran und verzog das Gesicht. Bei dem Gedanken, wieder in die Ruinen zu gehen, erschauderte sie, sagte aber nichts dazu. Sie war irgendwie total geschafft und war irgendwann im sitzen eingeschlafen.
Als Danja bemerkte, dass Arlea eingeschlafen war nahm sie sie vorsichtig auf und trug sie zu einer der vorbereiteten Schlafstellen. Flint hatte eine besonders weiche mit mehr Decken gemacht. Nachdem es die ganze Zeit über ruhig geblieben war legte sie jetzt auch den Schuppenpanzer wieder ab und setzte sich wieder zu den anderen. Nachdenklich strich sie sich eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht. "Glaubt ihr, dass es noch andere Dinge in diesen Ruinen gibt, die ihr helfen könnten?" Flint setzte sich auch zu ihnen. Er war in seinem Beutel auf den runenverzierten Stein gestossen, den er kurz vor ihrer ersten Begegnung im Wald gefunden hatte und betrachtete ihn im Schein des Lagerfeuers. Die Runen sahen sehr hübsch aus, irgendwie erinnerten sie ihn an die alte Schrift seiner Heimat, aber irgendwie waren sie auch wieder ganz anders.
"Ich denke wir sollten erstmal Schlafen, vielleicht fällt uns morgen früh etwas anderes ein oder wir finden was in den Ruinen. Heute jedoch hab ich keinen Kopf mehr!" sagte Valerius und breitete seinen Schlafsack aus.
"Nargaris! Nargaris! Dies ist mein Name!" sagte sie sich. Endlich war er ihr eingefallen. Doch noch immer saß sie hier drin fest. Sie wusste auch das die Trägerin nahe war, aber wieso spürte sie die Verbindung nicht mehr. Sie versuchte es einfach, wie schon in der Nacht zuvor, aber sie erreichte sie nicht. Es musste mit dem Lärm zu tun gehabt habe. Sie erinnerte sich geschriehen zu haben und sie hatte auch den Schrei der Trägerin gehört. Was war das? Irgendwas hatte sich bewegt, sie hatte es gesehen. Sie war nicht mehr alleine. Irgendwas musste gekommen sein.
Endlich war er seinem Gefängnis entkommen nur um in einem anderen zu landen. Wie viel Zeit war vergangen, dass er geschlafen hatte. Aber hier war er nicht allein, ein anderes Wesen war noch hier, ein mächtiges Wesen. Im Gegensatz zu ihm hatte es noch seinen Körper. Er war nur noch eine Seele und er wollte wieder einen Körper und sich an allen rächen, die ihn eingesperrt hatten und ihn für ihre eigene Ziele benutzt haben und wenn sie schon tot waren, so würde er in die Welt der sterblichen zurückkehren und endlich tun was er am besten konnte. Zwietracht sähen, sinnlos Menschen abschlachten, Spaß haben. Das wollte er und nichts anderes. Er würde kein Diener mehr sein, nie mehr.Arlea hatte nicht mitbekommen, wie sie auf das weiche Lager gebettet worden war. Sie war sehr erschöpft gewesen. Wenngleich ihr Leben eigentlich immer einem Chaos glich, so waren die kürzlichen Ereignisse mit keinem ihrer anderen Erlebnisse vergleichbar gewesen. Immer wieder kamen ihr verblasste Erinnerungen hoch und sie grübelte lange über ihre Eltern nach, um einen Hinweis auf die Geschichte mit dem Drachenblut zu erkennen.
Arlea war noch ein sehr kleines Mädchen gewesen, als ihre Eltern gestorben waren. Sie hatten am Rande einer kleinen Stadt gewohnt. Arlea schüttelte in Gedanken den Kopf. Das hatte man ihr so erzählt, aber sie konnte sich an ihre Mutter erinnern, aber nicht an ihren Vater, oder kaum. Sie war mit ihren Eltern in einer rieisigen Stadt gewesen, als sich der Himmel verdunkelte und hunderte von dunklen Gestalten den Himmel bevölkerten und die Stadt angriffen. Danach hatte sie nur noch Bildfetzen in Erinnerung. Feuer, Hitze, Schreie, Lärm. Danach war ein großes Loch und sie befand sich in einem Waisenhaus. Jedesmal wenn sie dort von diesem Erlebniss berichtete, war sie getadelt worden, ihre unsinnigen Träume als Wahrheit verkaufen zu wollen. Irgendwann, als sie älter geworden war, war sie aus diesem Waisenhaus weggelaufen. Niemand dort hatte sie lieb gehabt oder ernst genommen. Sicher vermißte sie dort niemand. Aber jetzt hatte sie Leute getroffen, die sich um sie kümmerten und zum ersten Mal seit langem fühlte Arlea sich wohl.
Arlea drehte sich mit einem Lächeln im Gesicht um und schlief bis zum Morgen ruhig weiter.Flint packte seinen Stein wieder weg und gähnte ausgiebig. Da sie Rikard immer noch nicht traute wechselte sie sich mit Flint bei der Wache ab. Im Morgengrauen heizte sie das Feuer wieder stärker an und bereitete eine Spezialität ihrer Heimat zu. Sie brauchte ihre letzten Vorräte, die sie dafür mitgenommen hatte, aber dafür würde der Haferbrei für alle reichen.
Es dämmerte gerade, als Arlea wach geworden war. Bis auf Flint, der wohl Wache hatte, schliefen alle noch. Wobei Flint nicht gerade wach wirkte, weshalb sie langsam zu ihm tapste und ihre Hand vor seinem Gesicht bewegte. Er reagierte nicht. Scheinbar war er an den Baum gelehnt eingedöst. Arlea würde ihn gleich aufwecken, damit Danja ihn n icht dafür tadeln konnte, doch vorher wollte sie sich noch etwas anschauen.
Leise schlich sie zu Rikard und kniehte sich neben ihn auf den Boden, während sie sich nach dem Beutel, den Rikard sicher nicht weit von sich aufbewahrte, umschaute. Er hatte ihn tatsächlich direkt bei sich unter einer Decke versteckt. Vorsichtig hob sie diese an und öffnete die Tasche. Sie wollte die Kugel nicht herausnehmen, aber in Ruhe ansehen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass sich die Szene aus der Taverne nicht wiederholen würde. Vorsichtig berührte sie die Kugel und die Armreifen kribbelten wieder mehr. Die Kugel war glatt und kühl und leuchtete schwach. 'Wer diese Person wohl ist...?' wunderte sie sich. Arlea zog ihre Hand wieder zurück, denn sie wollte Rikard nicht wecken, was mit einem hellem Licht sicher der Fall wäre. Sie schob die Decke wieder vorsichtig darüber und stapfte zu Flint zurück, um diesen zu wecken.
"Flint, du Schnarchnase..." flüsterte sie neben seinem Ohr und kitzelte ihn wach. Er quickte erschrocken auf. "Hey, nicht so laut, sonst schimpft Danja dich wieder, weil du eingeschlafen bist!" flüsterte sie und lies ihn einfach stehen, während sie zu dem kleinen Bachlauf ging, um sich frisch zu machen. Nun wurden auch die anderen langsam wach.
Unterdessen, an einem anderen bekannten Ort, betraten vier dunklen Kutten gekleidete Männer die Ruinen. Zielstrebig begaben sie sich in den Zentralen Raum und untersuchten diesen. Sie wechselten einige Worte und so verschwanden drei von ihnen aus dem Raum und verteilten sich in den anderen, noch intakten Räumen der Ruinen, während die vierte Gestalt in diesem Raum verweilte und den Boden hinter dem Altar untersuchte und dann dort in den Schatten des Raumes verschwand.Flint schaute Arlea irritiert hinterher. Sie hatte ihm tatsächlich geholfen, damit er keinen Ärger bekam. Vielleicht waren die Leute hier doch nicht so übel. Da es sowieso an der Zeit war schlich er leise zu Danja hinüber und weckte sie vorsichtig. Zu seiner Freude durfte er sich noch einmal hinlegen, während sich Danja um das Feuer kümmerte. Als es wieder fröhlich vor sich hin knisterte machte sie erstmal ein paar leise Übungen, damit ihre Muskeln wieder wach wurden. Danach bereitete sie den Haferbrei für alle zu und wartete, dass die restlichen Schnarchnasen auch wach würden, um noch die kühle Morgenluft und den herrlichen Sonnenaufgang zu genießen.
Langsam wachten auch Valerius und Rikard auf. Alles schien ruhig und es konnte ein schöner Tag werden, jedoch während sie sich ihren Haferbrei gönnten, ging es auch gleich wieder von vorne los. "Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, dieses Ding von gestern, einfach auf den Tisch zu legen?" warf Valerius Rikard vor. "Ich wollte wissen was es ist und dazu sollte man es nun mal sehen!" gab Rikard verbittert zurück. "Woher hätte ich wissen sollen, dass so etwas passiert?" "Verdammt noch mal du hast mehr als genug magische Gegenstände in deinen Fingern gehabt und weißt ganz genau wie gefährlich einige davon sind!" "Klar, mit nem Zweihänder in ner Taverne rumfuchteln ist ungefährlich. Du hättest dem Kerl hinter dir, beinahe 'nen Arm weggesenst!" "Jetzt bin ich wieder Schuld oder was?" "Du hättest dieses Tränenteil auch einfach vom Tisch schubsen können, irgendwo in ne Ecke werfen können oder sonst was, aber noch nicht mal ich bin so bescheuert und ziehe in einer Taverne ne Waffe und schon gar nicht nen Zweihänder!" "Zerstörung war der einzig effektive Weg und leider muss ich dazu meine Waffe benutzen, da ich leider den Zauber nicht kenne. Ich bin kein studierter Magier, der einfach mal ein paar Bücher mit Zauberformeln rumschleppt!" "Warum hackst du eigentlich darauf herum? Sei doch einfach froh, dass wir hier in Sicherheit sind!" "Wir hätten erst gar nicht fliehen brauchen. Ich hätte es mit der Wache schon geklärt." "Und was hättest du erklärt oder geklärt? Wir wissen ja verdammt nochmal nicht was gestern eigentlich passiert ist. Die Wachen hätten dich einfach erstmal eingebuchtet und dann hätte ich dich gerne mal gesehen!" "Aber du weißt alles besser ja? Wir mussten fliehen weil du irgendwas in der Stadt verbrochen hast. Wahrscheinlich hat dich der Typ gemeldet, den du zusammengeschlagen hast, als du Arlea gerettet hast. Du bist nichts weiter als ein Dieb und Leichenschänder! Ich kann nicht glauben das wir mal Freunde waren!" Die beiden waren mittlerweile aufgestanden und ihre Schüsseln lagen im Gras, der Haferbrei auch. Valerius hatte Rikard mittlerweile am Kragen gepackt und seine Faust erhoben. "Ich mag vielleicht ein Dieb sein, aber ich habe nie jemanden bestohlen um mich zu bereichern und du bist selbst auch nicht besser. Du schändest auch Leichen oder was würdest du es bezeichnen, wenn du für deinen Tempel irgendwas aus einer alten Ruine oder Grabkammer holen sollst?" "Steck mich bloß nicht mit dir in eine Schublade! Ich tue was richtig ist!" "Und was ist richtig? Du hast wohl noch nicht kapiert, dass die Welt nicht nur Schwarz und Weiß ist Kumpel! Schau dich doch selbst gerade an, am liebsten würdest du mich aktuell umbringen, ich kann es in deinen Augen erkennen und genauso wie dein Gewissen, dich gerade davon abhält. Hab ich verdammt noch mal auch eines. Also lass endlich den Scheiß, wenn nicht meinetwegen, dann wenigstens Arlea zu liebe. Falls du es noch nicht gecheckt haben solltest, ihr Leben ist in Gefahr oder zumindest ihre Freiheit und wir sind die einzigen, die das Rätsel lösen und sie beschützen können!" Gegen Ende dieser Predigt war Rikard leiser geworden und hatte es mehr in einem normalen etwas eindringlicheren Ton gesagt. Valerius lies Rikard los und meinte: "Hau ab. Nimm dein Zeug und verschwinde! Deine Hilfe brauchen wir nicht! Hilfe von Abschaum wie dir bringt uns nur den Kerker!"
Das war zuviel gewesen. Rikard hatte seine Wut heruntergeschluckt, er hatte gehofft, nach gestern Abend etwas altes wieder auffrischen zu können, doch dazu war es wohl zuspät. Der Valerius von damals war nur noch ein Schatten, der hin und wieder hervor brach. Es geschah recht schnell, dass Rikard seine Faust ballte und Valerius zu Boden schickte und Valerius schien jetzt erst bemerkt zu haben, dass er eine Linie überschritten hatte. Wortlos nahm Rikard seine Bündel, warf Danja einen Beutel mit Äpfeln zu. "Pepp damit den Haferbrei etwas auf", sagte er noch und ging.
Arlea kam gerade vom Bach zurück, als sie lautes Geschrei vernahm und lief zu den Beiden, als Rikard Valerius eine zündete und dann seine Sachen aufhob und den Platz verlies. Arlea blickte verwirrt umher, folgte Rikard aber dann mit etwas Abstand und schloss dann mit ihm auf. "Warum seid ihr immer am streiten?" wollte sie wissen. "Ich mein, was Valerius gesagt hat, war nicht nett, aber... ich glaube nicht, dass einer von euch beiden ein schlechter Mensch ist." sagte das Mädchen.
Danja hatte dem Streit wortlos zugesehen. Jetzt kniete sie sich neben Valerius und gab ihm ein Tuch für seine blutende Lippe. "Nicht dass ich seine erbauliche Gesellschaft bereits vermissen würde, aber ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt tatsächlich so klug war. Wenn wir Glück haben, dann könnte er wie Flint sein. Die meiste Zeit fragt man sich, womit man das verdient hat, aber hin und wieder ist er mehr als nur nützlich..."
Valerius nahm das Tuch dankend an und tupfte sich vorsichtig das Blut ab. Er spürte schon wie seine Wange anschwellte. Leider wusste er nicht so recht, was er Danja antworten sollte, zu sehr hatte ihn der Schlag von Rikard überrascht. Es war ihm nie in den Sinn gekommen, dass sein ehemaliger Freund wirklich so weit gehen würde oder dass er ihn so verletzen konnte.
"Da magst du recht haben Kleines, aber wir leben leider nicht mehr in der selben Welt", antwortete Rikard und setzte sich an einen nahen Baum. Er fühlte sich gerade so, als hätte er die Nacht nicht geschlafen. "Was hältst du eigentlich von den Göttern und ihren Tempeln?" fragte er Arlea.Arlea setzte sich neben Rikard, der im Moment gerade nicht wirklich gut aussah. "Gibt es wirklich keine Chance, dass ihr euch vertragt?" fragte sie ihn, als er von den verschiedenen Welten sprach. Rikards andere Frage überraschte sie, denn mit so einer hatte sie wirklich nicht gerechnet. "Ich weiß nicht so recht, was ich von den Göttern und ihren Tempeln halten soll. Ich bin nicht sehr religiös aufgewachsen. Es sind Orte für Leute, die an etwas glauben möchten, aber dafür brauche ich keinen Tempel. Andere scheinbar schon. Warum fragst du?" sagte sie.
"Ob es eine Chance gibt, wissen nur die Götter. Es mag zwar nicht so aussehen, aber ich bin im gewissen Sinne ein religiöser Mensch. Wie du brauche auch ich keine Tempel um zu ihnen zu beten. Wovon ich aber auch überzeugt bin, dass in den Tempeln eine Art Gehirnwäsche betrieben wird und Val hat eine bekommen. Er ist irgendwie schon noch der Alte, aber er ist auch total anders", erklärte Rikard und blickte dazu durch das Laub in den Himmel, als wären die Antworten dort oben versteckt, dabei wirkte er total ernst. So verharrte er auch eine Weile und zuckte dann plötzlich zusammen. Irgendetwas weißes lief ihm die Backe runter.
Arlea hörte ihm nachdenklich zu, als Rikard plötzlich ein seltsames Gesicht bekam und Arlea erkannte, dass irgendein Federtier ihn gerade angeschissen hatte. Sie kämpfte schwer damit, nicht laut los zu lachen, was allerdings in einem prusten endete. "Es... es tut mir... Leid..." sagte sie prustend. Nach einer Pause meitne sie: "Du bist schon in Ordnung. Val aber auch. Nur nicht aufgeben." Sie lächelte. Dieses Mal bemerkte sie das Kribbeln der Armreifen nicht, so herzhaft zu lachen hatte ihr gut getan.
Nach einiger Zeit kamen Arlea und Rikard zu den anderen zurück und sie brachen langsam zur Ruine auf. Valerius und Rikard schön am gegenseitigen Ende der Gruppe, damit es auch ja nicht wieder zu einem Streit kam. Danja sorgte schon dafür, dass keiner aufkam. Plötzlich und unverhofft blieb Rikard stehen und ging in die Knie um sich etwas am Boden anzuschauen. Danach ging er kurz an die Pferde von Danja und Flint und schaute sich je einen Huf an, danach wieder den Boden. "Hier sind ein paar Reiter vorbeigekommen, die genau in unsere Richtung wollen!" sagte er und prompt sahen sie auf der Lichtung, wo Danja, Flint, Arlea und Valerius noch vor zwei Tagen Rast gemacht hatten, vier Pferde stehen, die gemütlich grasten.
"Das gefällt mir ganz und gar nicht. Es wird wohl besser sein, wenn ich mich jetzt schon bereit mache." Kopfschüttelnd betrachtete sie die Pferde, setzte ihren Helm auf und rüstete sich mit Langschild und Schwert. Auch Flint machte sich bereit, falls die Besucher der Ruine nicht mit sich reden lassen würden.
Arlea, die die meisten Zeit zwischen Valerius und den anderen hin und her gelaufen war, war nun bei Rikard stehen geblieben. "Vielleicht sollte jemand vorrausgehen, und den Weg auskundschaften?" fragte Arlea.
In den Ruinen indes passierte nicht viel, Während drei der Gestalten an verschiedenen Stellen wache standen, wirkte die vierte im Hauptraum einen unbekannten Zauber. Draekash wußte, dass das Objeckt noch vor kurzem hiergewesen war. Er mußte es umbedingt wiederbekommen, um das Wesen darin in seine Gewalt zu bekommen.Valerius sprach erneut die Schutzformel und auch ein weiteres Mal, so dass der Zauber auch auf Arlea wirkte. Rikard versteckte derweil, ein paar Dinge, die im Kampf hinderlich waren. "Die Kleine hat recht, also wer geht?" fragte Rikard, der diesmal nicht den Anführer miemen wollte, um so neuen Stress zu vermeiden.
Danja schaute kurz von einem zum anderen und zuckte kurz mit den Schultern. "Bleibt etwas zurück, man muss uns ja nicht gleich alle zusammen sehen. Komm, Flint. Wollen wir doch mal sehen, wer sich da so rumtreibt." Festen Schritts und immer den Zugang zu den Ruinen im Auge schritt Danja voran. Flint folgte mit zwei Schritt Abstand und schaute was an den Seiten und hinter ihnen passierte. Im Eingang verharrten sie einige Minuten, um sich an die Dunkelheit im inneren zu gewöhnen, dann gingen sie langsam und vorsichtig tiefer hinein. Ihr Ziel war die zentrale Kammer, in der sie schon diesen seltsamen magischen Kreis untersucht hatten.
"Arlea, du suchst dir ein Versteck!" meinte Rikard und bezog neben dem Eingang Stellung, so dass er von jemanden der rauskommen würde, nicht gleich gesehen wurde. "Was auch passiert, versuch hinter mir oder Rikard zu bleiben!" meinte auch Valerius und suchte sich einen guten Platz, von wo aus der Eingang unter Beschuss nehmen konnte.
Arlea fühlte ein wohliges Kribbeln, als der Schutzzauber auf sie wirkte. Fühlte sich Magie so an? Sie hatte ja keine Ahnung von Magie und fragte sich, wie es kam, dass sie sie so deutlich spüren konnte. Arlea wäre gerne mitgegangen, aber sie wollte ihren Freunden weiteren Ärger ersparen und entfernte sich etwas weiter von den Ruinen und kletterte auf einen dichten Laubbaum. Im ersten Moment hatte sie etwas probleme und wirkte ungeschickt, doch sie schaffte es, auf einem dicken Ast Halt zu finden. Sie machte sich klein und war froh, dass sie durch das dicke Laub den Eingang dennoch sehen konnte. Sie sah, wie Rikard sich neben dem Eingang positionierte, während Valerius hinter einigen dicken Büschen etwas vor Arleas Baum in Stellung ging. So waren Danja und Flint, die nun in den Eingang schlüpften, gedeckt.
Als sich die Augen der beiden an die Dunkelheit gewohnt hatten, schlichen sie vorsichtig ins Innere. Alles schien still zu sein und niemand war zu sehen. Dennoch hatten sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Vorsichtig passierten sie einen Quergang, in den Danja zuvor gespäht hatte. Sie folgten den Gang, der an einer Treppe, die mit etwa zehn Stufen nach unten führte. Flint duckte sich etwas, um nach unten zu sehen, ohne gleich ganz runter gehen zu müssen, denn wenn sich jemand unten versteckt hielt, würden sie ihre Füße gelich sehen können. Doch auch dort schien niemand zu sein. Sie erreichten ohne weitere Vorkommnisse die zentrale Kammer, die zuerst leer zu sein schien. Doch als sich die beiden in die Mitte des Raumes gewagt hatten, trat eine Gestalt in schwarzer Kutte vor und machte eine ihnen unbekannte Handbewegung. Plötzlich war die Öffnung hinter ihnen mit einem magischen Schild versperrt und ihnen ihr einzigter Fluchtweg versperrt. Die Gestalt senkte ihre Hand wieder und schien sie anzustarren. Von seinem Gesicht konnte man nur das fast grau aussehende Kinn erkennen, der Rest lag im dunklen Schatten seiner Kapuze. Auch wenn Danja nicht viel über Magier und Kulte dieses Landes wußte, so glaubte sie zu wissen, dass der hier eine Art Meister war und ihnen trotz mangelnder Waffe sehr gefährlich werden konnte. Noch bewegte er sich nicht.
Nachdem Danja und Flint die Treppe hinab verschwunden waren, waren drei andere Gestalten, die sich in den dunklen Räumen, welche am Ende des Querganges lagen, versteckt hatten, Richtung Ausgang geschlichen. Kurz davor blieben zwei von ihnen stehen, während der dritte sich in den Eingang stellte und einen Stunzauber vorbereitete und vorsichtig nach draussen lugte.
Danja und Flint hatten sich Kampfbereit vor den Kuttenträger, der noch immer ohne sich zu bewegen vor ihnen stand, aufgebaut. Dann blickte er kurz auf und sie glaubten seine Augen aufblitzen zu sehen. "Wo ist die Drachenkugel und wo ist das Mädchen mit den roten Haaren?" fragte er ohne irgendeine Emotion zu zeigen.Rikard ging noch ein Stück zurück. Er wollte, dass sich der Kerl ganz herauswagte. Sachte spielte er mit zwei dünnen Glaskügelchen in seiner rechten Hand, die ein übles Geschenk werden würden, für denjenigen der sie abbekam.
Valerius wusste zwar, dass es besser war zu warten, schließlich wussten sie nicht wirklich gegen wen sie antraten und ob es sich um Freund oder Feind handelte. Dafür, dass die Gestalt vor Danja und Flint herauskamen, konnte es auch andere Gründe haben, als eine Niederlage. Er wusste ja noch, wie viele Gänge dadrin waren, da konnte man problemlos aneinander vorbeilaufen ohne sich zu bemerken. Trotzdem sagte ihm irgendein Gefühl, dass die Kerle nichts Gutes im Sinn hatten. Er überlegte kurz was er tun sollte, genauer gesagt, kamen ihm zwei Zauber in den Sinn, die den Kerl am Eingang und eventuelles hintendran erwischen konnte. Aus Gründen der Reichweite kam, dann doch nur einer in Sinn. Leise sagte er: "Fulmine tras ge!" Mit der letzten Silbe sprang er aus seinem Versteck hervor und aus seinen Fingerspitzen entlud sich ein tödlicher Blitz, der den hervorlugenden Traf, bevor dieser sein Ziel für seinen Zauber gefunden hatte. Der Blitz ließ nur eine rauchende Leiche zurück und suchte dann seinen Weg ins innere. Er traf noch einen der anderen beiden Gestalten, jedoch nicht tödlich, der dritte konnte sich aus der Reichweite des Blitzes retten. Hastig suchte Valerius anschließend Deckung hinter einem Baumstamm.
'Soviel dazu!' dachte sich Rik und steckte die Kügelchen wieder in ihre sichere Tasche und zog einen seiner Dolche, der etwas merkwürdig im Licht schimmerte, so als wäre etwas schmieriges auf der Klinge.
Er fragte sich wie man so einen gewaltigen Leib in eine kleine Kugel stecken konnte. So langsam war er sich seiner Umgebung bewusst worden und hatte erkannt, dass sein neues Gefängnis kugelrund war. Wenigstens etwas mehr Freiraum als er in den Armreifen gehabt hatte. Hier konnte auch niemand auf seine Kraft zurückgreifen und wie groß war, die Chance, dass ein drachenblütiger an die Armreifen kam und ihre Kraft wecken konnte. Äußerst gering, daher interessierte es ihn nicht weiter. Jedenfalls hatte er dafür gesorgt, dass der Träger sie nie wieder abnehmen konnte, sofern er ihre Kraft nicht wecken konnte. Es blieben damit nur zwei Wege sie loszuwerden. Erstens Arme abschneiden oder zweitens, und dies Gefiel ihm besser, sterben.
Er würde der Trägerin letzteres antun, denn die Macht der Armreifen wollte er für sich, sobald er den Körper in Anspruch genommen hatte. Was war ein Dämon schließlich ohne Körper. Nichts. Es wurde Zeit seine Übernahme zu beginnen. So schlich er sich in ihren Traum und begann seine Einflüsterungen, denn er musste sich beeilen, wenn die Drachin erfuhr, was sich mit ihr hier aufhielt, würde sein Plan nicht aufgehen. Drachen waren willensstark und gleichwertige Gegner für Dämonen wie ihn. Deswegen nutze der Kult oft genug Dämonen, um die Drachen zu schwächen und dann zu unterwerfen und bei ganz widerspenstigen Drachen, brauchten sie auch die Kraft der Dämonen um die Drachen anhaltend unter Kontrolle zu halten. Meistens machten die Beschwörer einen Fehler und der Dämon konnte sich ein paar arme Seelen schnappen, bevor er gebannt wurde. Ein paar Exemplare hatten sich sogar auf der Welt breit machen können, bis ein paar glückliche Typen kamen.
Jedoch gab es auch welche, die keine Fehler begingen und einer davon war der Grund warum sein Körper ausgelöscht wurde und wenn er keinen Ersatz fand Jahrhunderte in seiner eigenen Existenzebene zubringen musste, um einen neuen Körper zu generieren. Was zu einem großen Machtverlust im Dämonenreich führte und Gefahr barg, dass er seine Existenz gant verlieren könnte. Deswegen wagte er jetzt schon den Angriff.
Nargaris schlief erneut, was konnte sie auch anderes tun. Ihre Verbindung mit der Trägerin war irgendwie zerbrochen. Sie konnte zwar fühlen, dass sie noch in der Nähe war, aber dabei blieb es. Sie hatte einen recht unruhigen Schlaf, denn irgendetwas belästigte sie. Es war als hörte sie eine Stimme, die sie rief. Die Stimme erinnerte sie daran, wie sie hier rauskommen konnte, sie musste nur ihren Körper abstreifen und ihre Seele war frei und konnte so zu ihrem Brutpartner finden, für den sie immer noch starke Gefühle empfand und der schon seit einem oder zwei Jahrhundert tot war. Er war ihr ruhender Pohl gewesen, sie begann ihn sehr zu vermissen. Wäre er noch bei ihr gewesen, wäre sie bestimmt nicht einem ihrer Wutausbrüche verfallen, der sie schlussendlich in die Klauen des Kultes getrieben hatte, welche ihre Kraft für finstere Zwecke immer wieder missbraucht hatten. Sie war eine Drachin mit bronzenen Schuppen, sie wollte Gutes tun und nicht Angst und Schrecken verbreiten, das taten schon die Farben genug. Die Farben waren auch der Grund warum man Drachen allgemein hasste und sie versuchte zu töten, egal ob Farbe oder Metal. Die Metalle versuchten den Schaden der Farben wieder zu richten, aber die Menschen waren einfach zu schwer zu überzeugen, wenn sie für sich eine Meinung gebildet hatten. Es gab wenige Ausnahmen von dem Denken, eine davon war der Kult und der hatte eine ganz andere Ansicht. Vielleicht war es wirklich besser den Körper zu verlassen. Ein Körper ohne Seele konnte dem Kult nichts nützen. Der Körper würde einfach aufhören etwas zu tun, denn ohne Seele wusste er ja nicht was er tun sollte.
Er war ganz nah, dass konnte er spüren. Es fehlte noch ein finaler Schlag und hierzu hatte er auch schon eine gute Idee. Es waren zwar nur wenige Tage, die er an den Armen der Trägerin verbrachte hatte, aber die reichten aus, damit er ein Bild von ihr wiedergeben konnte. So ließ er eine Arleakopie vor Nargaris erscheinen, sie würde ihm seinen Sieg sichern.
Nargaris sah einen Menschen auf sie zukommen. Es war die Trägerin, sie hatte sie zwar noch nicht gesehen, aber in ihrem Herzen wusste sie es. Sie war ihre Retterin. "Warum sollte ich dich retten?" fragte die falsche Arlea. "Ich hab genug eigene Probleme, da brauch ich dich nicht auch noch." Das konnte nicht sein, so etwas hatte sie von der Trägerin nicht gefühlt. Dies war falsch, hier war etwas falsch. Niemand hatte seit Jahren zu ihr gesprochen. Wieso ausgerechnet jetzt und so spürte sie die Präsenz des Dämons in ihrem Inneren, der versuchte sie aus ihrem Körper zu drängen. Sie würde den Körper jedoch nicht einfach aufgeben, schon gar nicht einem Wesen, welches um keinen Deut besser war, als einer dieser Kultisten.
Arlea spürte wie erneut das Kribbeln der Armreifen stärker wurde. Irgendetwas war jedoch anders daran, sie konnte es sich nicht genau erklären, vermutlich lag es an dem Zauber den Valerius gesprochen hatte, dass es sich jetzt anders anfühlte.
Auch der Vermummte bei Danja und Flint fühlte etwas. Er wusste nun, dass die Kugel zwar nicht mehr in der Ruine war, jedoch immer noch in der Nähe.
Die Kugel in ihrem Versteck pulsierte aufgrund des Kampfes in ihrem Inneren und sandte so eigenartige magische Kraft ab, die aus den Kräften des Dämonen, von Nargaris und dem Bannzauber, der auf sie gesprochen worden war, bestand. Es zeichneten sich auch kleine Risse ab, als der Kampf heftiger wurde.Fieberhaft überlegte Danja, wie sie sich verhalten sollte, denn sie hatte es noch nie mit einem Magier zu tun gehabt. "Wo die Kugel und das Mädchen sind? Ich weiß es, ihr nicht. So wird es auch bleiben." Aus dem Stand schnellte sie nach vorne und der Mann mit der Kutte schleuderte seinen Zauber. Da Danja aber mehr zur Seite, als auf den Mann zugesprungen war verfehlte der Zauber sein Ziel und sprengte glühende Splitter aus der Wand hinter ihr. Jetzt warf sich Danja auf ihren Gegner. Ihm blieb keine Zeit mehr für einen tödlichen Zauber, er schaffte es gerade noch seinen Arm hochzureissen. Danja war, als würde sie eine unsichtbare Faust treffen. Die Luft wurde ihr aus den Lungen gepresst und bunte Lichter tanzten vor ihren Augen, während sie darum kämpfte bei Bewusstsein zu bleiben. Sie spürte kaum den Aufprall auf dem Boden, nachdem sie zurückgeworfen worden war. Mit einem wütenden Schrei stürzte Flint auf den Mann los, um ihn von seiner Herrin abzulenken. Der Magier fuhr herum und vollführte eine Bewegung, als würde er nach dem heranstürmenden Flint greifen. Der blieb plötzlich wie angewurzelt stehen, als hätte ihn eine große Hand gepackt. "Du kleiner Narr, deine Vermessenheit soll dich teuer zu stehen kommen!" Blitze zuckten aus dem ausgestreckten Arm des Mannes auf Flint zu. Der versuchte sich zu beherrschen, doch die Schmerzen waren zu groß. Gequält schrie er und wand sich vor Schmerz. Langsam drangen Flint's Schreie hinter den schwarzen Vorhang, der sich über Danja's Bewusstsein zu legen begann und plötzlich war sie wieder hellwach. Sie sah Flint zappelnd in der Luft hängen und wie der Magier ihn mit seinen Blitzen quälte. Kochend vor Wut sprang Danja auf und schoss auf Flint's Peiniger zu. Erst im letzten Augenblick bemerkte dieser Danja, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass jemand bei seinem Betäubungszauber bei Bewusstsein bleiben könnte. Eine schnelle Bewegung rettet ihm das Leben, doch durchtrennte Danja's scharfe Klinge seinen rechten Unterarm, wie ein Bündel Reisig. Sie setzte nach, aber der Magier verschwand im Dunkel unnatürlich schwarzer Schatten und floh. Danja stürzte zu Flint, der vor Schmerz wimernd und zitternd am Boden lag. Sie hob ihn auf ihre Arme und trug ihn so schnell es ging in Richtung Ausgang.
Arlea beobachtete der Eingang von ihrem Baumversteck aus. Sie war imponiert von der Art, wie Valerius den Kuttenträger ausgeschaltet hatte. Sie fragte sich, ob der Blitz, der nach drinnen gerauscht war, nicht noch jemanden erwischt hatte. Falls noch jemand da war, denn das hatte sie nicht sehen können. Am liebsten würde sie auch mitmachen, aber man hatte ihr gesagt, dass sie sich verstecken sollte. Sie fühlte sich wieder nutzlos und seuftze traurig.
Arleas Blick fiel wieder auf die Armreifen, die sich irgendwie auf einmal anders anfühlten. Nachdenklich runzelte sie die Stirn und fragte sich, was es sein könnte. Abgelenkt wie sie war, verlor sie das Gelichgewicht und kippte nach hinten weg. Sie wedelte mit den Armen und konnte sich gerade noch festhalten, allerdings hing sie nun an einem Ast. 'Dummes Mädchen' schalt sie sich und vesuchte sich wieder raufzuziehen, doch sie rutschte ab und landete in einem Busch unter dem Baum. Zum Glück hatte der Busch ihren Fall gebremst, so dass sie sich nur ein paar blaue Flecke eingehandelt hatte. "Autsch!" Sie rieb ihren schmerzenden Hintern und versuchte sich aufzurappeln, entschloss sich allerdings erstmal hinter den Busch zu krabbeln, um nicht gleich gesehen zu werden.Es dauerte nicht lange, da folgte die Antwort auf Valerius Blitzschlag, doch der Zauber verfehlte sein Ziel, denn er war einfach Blind hinausgeschleudert. 'Zum Glück, kein Feuerball', dachte Valerius. Die beiden Gestalten kamen kurz nach dem Zauber aus dem Eingang. Rikard nutzte exakt diesen Moment und erwischte den ersten, welcher einige Verbrennungen von Valerius' Blitzschlag hatte. Das Gift auf seinem Dolch zeigte auch recht schnell Wirkung bei dem schon angeschlagenen Körper. Es war zwar nur ein kleiner Schnitt, aber dieser hatte ausgereicht. Mit heftigem Würgen verstarb er. Jedoch war der zweite Kerl nicht dumm und hatte sich sofort wieder in den Eingang verzogen und schlug nun seinerseits zu. Hände wie ein Schraubstock packten Rikard von hinten und drücktem ihm die Luft ab. Valerius wollte einen Hitzestrahl abschießen, doch der Vermummte brachte Rikard geschickt zwischen sich und Valerius, so dass Valerius erst seinen Freund treffen würde. So standen sie sich eine Weile gegenüber. Lauernd was der andere Tun würde. Rikard, war gegen den Halt von dem Kerl machtlos und zu allem Überfluss schien der Kerl auch noch schmerzunempfindlich zu sein. Zumindest zeigten seine Tritte gegen das Schienbein oder auf den Fuß keine Wirkung.
Derweil wurde der Kampf innerhalb der Kugel immer heftiger und aus den kleinen Rissen wurden bald richtige Krater. Es leuchteten wieder ein Zeichen an den Armreifen auf, es schien eine Art Warnsignal zu sein.
Nargaris fühlte ihre Niederlage kommen, sie war noch zu schwach gewesen und hatte zuviel Kraft verbraucht um mit der Trägerin in Kontakt zu treten, jetzt zahlte sie den Preis dafür. Ihr Seelenselbst musste heftige Schläge einstecken und man merkte, dass sie keine Erfahrung in solchen Kämpfen hatte und ihre Wut half ihr nicht und so kam ihr Ende. Sie hörte nun wahrlich die Stimme ihres Brutgefährten. Ihr Weg war zu Ende, das Leid hatte aufgehört, sie war nun Frei. Sie sah viele alte Freunde auf ihrem Weg. Einzig betrauerte sie, dass sie ihren Körper nicht bei ihren Freunden betten konnte.
Er schaffte es, bald nur noch einige Schläge und seine Gegnerin war zerschmettert. Sie war so unerfahren in diesem Kampf, er hätte die direkte Konfrontation gleich suchen sollen. Er hatte Jahrhunderte lang trainiert, seine Dämonfähigkeiten auch in Willenskämpfen einsetzen zu können und so war ihm die Oberhand gesichert. Der Körper war sein, mit einem letzten Flimmern war es mit der Drachenseele vorbei. Kaum war in den Körper eingedrungen, veränderte er sich auch. Aus einem schönen Geschöpf wurde nun eine Kreatur der Höllenschlünde. Die Krallen färbten sich schwarz, zwischen den Schuppen, schienen Lavaströme zu pulsieren, finster Hörner und Stacheln wuchsen dem Rücken entlang und am Ende des Schwanzes entstand eine art Knochenkeule. Die Augen verfärbten sich zu einem wütendem rot.
Er war frei, nein Sie war frei. Aus Er wurde Sie und sie brauchte nun einen neuen Namen, den alten konnte sie nicht mehr verwenden, es war der Name eines schwachen Dämonen gewesen, aber sie war nun mehr viel mehr als er damals gewesen war. Sie war eine Verbindung zweier mächtiger Kreaturen und sie würde sich nun ihres Käfigs entledigen.
Die Krater an der Kugel platzten auf und der Knall vom Bersten der Kugel ging unter in dem Brüllen des Dämonendrachen, welcher sich am Rande der Lichtung zeigte. Die Pferde der Vermummten ergriffen sofort die Flucht und der Griff an Rikards Hals wurde locker, doch er war selbst unfähig darauf zu reagieren. Zu sehr war er vom Anblick dieser Kreatur geschockt. Valerius brauchte einen Moment um zu begreifen, was gerade in seinem Rücken passierte. Er hatte zuerst Arleas Sturz verdrängt, damit er nicht abgelenkt war von seinem Gegner, doch als er sich aufgrund von Rikards Fingerzeig umdrehte, konnte auch er nur staunend die Augen aufreisen.
Dem Anführer der Vermummten schmerze zwar noch immer noch sein rechter Arm und fluchte noch über die Kriegerin und ihren Knappen, doch was er jetzt sah, bevor er einen endgültigen Fluchtzauber sprach, ließ die Schmerzen vergessen und erfüllte ihn mit Euphorie. Noch nie hatte er so ein Wesen gesehen, aber er wusste, er musste es besitzen. Mit solch einem Drachen konnte man vieles erreichen, wer sollte sich so einem Wesen widersetzen können. Niemand! Und er würde derjenige sein, dem es absoluten Gehorsam schulden würde. Ihm war klar, die Kugel war verloren, aber dafür hatte er etwas wunderbares gesehen, damit war auch die kleine Rothaarige erst einmal Nebensache.Arlea starrte das warnende Zeichen auf ihren Armreifen erschrocken an. Sie wußte nicht genau, was es beduetete, aber sie spürte, dass es nichts gutes war. Langsam rappelte sie sich auf und schlich zum Stamm des Baumes, um die Szene besser beobachten zu können. Irgendetwas stimmte nicht, doch nur was? Plätzlich gab es einen lauten Knall aus der Richtung, an denen Rikard einige Sachen versteckt hatte. Arlea drückte sich an den Baumstamm und starrte auf das Wesen, das sich dort auf einmal zeigte. Pansiches Wiehern war zu hören, als die Pferde flüchteten. Sie befand sich am nähesten von diesem Dämonendrachen, aber sie konnte sich nicht bewegen, sie war vor Schreck erstarrt. Sie hatte noch nie einen Drachen gesehen, doch dieser sah schrecklicher als alles was sie kannte aus. Die Armreifen fühlten sich nun anderes an. Sie fühlte, dass sie etwas tun mußte und vielleicht konnte, aber sie hatte keine Ahnung wie.
Der Mann, der Rikards Hals umklammert hielt, lies nun endgültig los, als er spürte, dass er nun alleine war. Er nahm all seinen Mut und seine Kraft zusammen, um loszulaufen. Zudem hörte er hinter sich Schritte, vermutlich kam die Kriegerin gerade zurück und auf einen weiteren Kampf wollte er sich nicht einlassen. Der Drache würde sich schon um sie kümmern. Mit hastigen Schritten verschwand er im Unterholz des nahen Waldausläufers hinter den Ruinen.
Der Dämonendrache bäumte sich laut brüllend auf und streckte sich. Sie breitete ihre Schwingen zum Test aus und versuchte sich an ihr neues Wesen zu gewöhnen. Die Menschen in der Nähe waren keine Bedrohung, sie würde sich um diese schon kümmern. Während sie sich streckte und mit ihren Augen die Umgebung sondierte, bildete sich in ihrem Geist ihr neuer Name. 'Kuolema' würde fortan ihr Name sein und alle würden ihn fürchten. Dennoch gab es da noch eine Sache, die sie erledigen müßte. Sie drehte sich und sprang etwas vor und war nun nicht mehr weit weg von Arlea, die sich zitternd an den Baum drückte.
to be continued...
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